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Angelmethoden

Hechte in Brandenburg

Der Hecht kommt wohl in fast allen Gewässern unseres Bundeslandes vor. Fischereibiologen sagen, dass der Hecht in unseren Breitengraden selbst ohne Schonzeit durch die Angelfischerei in seinem Bestand nicht gefährdet werden könnte. Das hängt ganz einfach damit zusammen, dass Hechte sich in enorm großer Zahl reproduzieren und mitunter sogar die Junghechte die Nahrung für die Altfische bilden. Nicht ohne Grund gibt es viele Hechtköder im Hechtdesign.


Hechte zu beangeln ist unheimlich vielfältig und fast jede Methode kann dabei zum Erfolg führen. Mit dem toten Köderfisch kann man Hechte am Grund beangeln, sie frei im Wasser schweben lassen oder sie mit einer Driftpose auf Reisen schicken, um weite Flächen abzusuchen. Der Hecht ist ein Augenjäger und wird deshalb fast ausschließlich am Tage gefangen. Nur bei einer hellen Vollmondnacht habe ich auch schon Hechte nachts mit Wobblern gefangen. Unzählige Kunstköder gaukeln dem Hecht eine fette Beute vor und sollen ihn zum Anbiss verleiten. Gummifische, Wobbler, Spinner, Blinker und Streamer gibt es in unzähligen Formen und Farben. Mit welchem Köder wir den Hechten nachstellen hängt zum einen vom Gewässer und den äußeren Umständen ab und zum zweiten von der Vorliebe des Anglers.

Kunstköder sind im Herbst effektiver

Vor allem in den Herbstmonaten ist das Angeln mit Kunstködern oft effektiver und erfolgversprechender als mit dem Köderfisch, denn die Hechte fressen sich jetzt ihren Winterspeck an und sind aggressiv. Schnell geführte Blinker und Wobbler imitieren einen Beutefisch und sprechen sowohl die optischen Reize wie auch das Seitenlinienorgan der Hechte an, mit dem Schwingungen im Wasser wahrgenommen werden. Oft stellen sich Angler die Frage: Wo finde ich den Hecht und welche Farbe sollte mein Köder haben? Hechte stehen zu dieser Jahreszeit über den langsam absinkenden Krautfeldern oder suchen an den Schilfkanten und überhängenden Bäumen Schutz. Hier sind die Stellen, die wir konzentriert beangeln sollten. Die Hechte in den großen Seen ziehen jetzt ins Freiwasser, denn sie folgen den Futterfischen, die sich jetzt langsam auf den Weg in die Winterquartiere machen. Bei klarem Wasser sollten wir natürlich wirkende Dekore wählen. Das gilt für Blinker ebenso wie für die zahlreichen Wobblermodelle. Haben wir es mit trübem Wasser zu tun, sollten wir eher helle Farben wählen. Sogenannte Schockfarben. Diese „schocken“ den Hecht nicht, sind aber meistens UV-aktiv und können vom Augenjäger Hecht besser wahrgenommen werden.

Umschalten in den „Wintermodus“

Solange die Wassertemperatur nicht unter zehn Grad sinkt, sind die Hechte aktiv und auch mit schnell geführten Ködern zu fangen. Sinken die Temperaturen jedoch weiter, stellen auch die Hechte ihre Aktivitäten ein und schalten um auf „Wintermodus“. Dann ziehen sie langsam durch die Gewässer auf der Suche nach Nahrung. Große Happen sind nun gefragt und langsam geführte Köder. Denn die Hechte müssen jetzt mit ihrer Energie haushalten und verfolgen keinen Köder, wenn er nicht einen fetten Happen darstellt. Zu dieser Jahreszeit hat sich der tote Köderfisch bewährt. Denn die Hechte suchen ihre Beute in der kalten Jahreszeit und finden den toten Köderfisch, den sie ohne Anstrengung fressen können. Bei einem Biss in der kalten Jahreszeit auf einen Köderfisch werden wir feststellen, dass der Hecht viel langsamer mit dem Köder abzieht, als es in der warmen Jahreszeit der Fall wäre. Doch auch mit Kunstködern kann man Hechte jetzt noch beangeln. Sogenannte „Suspender“-Wobbler, die im Wasser schweben, sind jetzt bei den Kunstködern erst Wahl. Denn auch sie können auf der Stelle verharren ohne zu Boden zu sinken und sind eine dankbare Beute für den Hecht.

Keine Angst vor großen Ködern

Bevor man sich die Frage stellt, wie groß denn unser Köder sein sollte, muss man beachten, dass Hechte selbst Artgenossen angreifen, die fast gleich groß sind. Das heißt, mit einem Köder zwischen 15 und 20 Zentimetern können wir nichts falsch machen. Die einzige Ausnahme von dieser Regel bildet der Frühsommer, wenn unzählige Kleinfische die Flachwasserzonen bevölkern und das Wasser warm ist. Denn dann haben sich mitunter auch große Hechte auf diese Nahrung spezialisiert und ignorieren größere Köder. Aber ansonsten gilt: Keine Angst vor großen Ködern, egal ob Köderfisch, Wobbler oder Spinner. Denn Hechte sind Fressmaschinen und was erst einmal in ihren Zähnen gefangen ist, wird auch gefressen.

Wer einige der Ratschläge befolgt und vor allem über sein Gewässer und die Lebensweise der Hechte nachdenkt, wird einen erfolgreichen Saisonabschluss erleben, bei dem er mit Sicherheit den einen oder anderen Esox in den Kescher führen kann.

Thomas Bein
Chefredakteur des „Märkischen Anglers“

Zander auf die weiche Tour

Es war Anfang der achtziger Jahre, als eine Ködererfindung aus den USA das Angeln revolutionierte: Der erste Gummitwister als Angelköder war gegossen und an einem Haken montiert.

Diese Twister waren die Vorfahren aller heute bekannten Gummiköder und ihnen eilte ein Ruf wie Donnerhall voraus. Eine Art Wunderköder sollten diese Twister sein und imitierten doch eigentlich nichts weiter, als einen labbrigen Wurm. Als jedoch die ersten Köder zu uns über die damals noch vernagelte Grenze rutschten, waren sie eine echte Wunderwaffe und wurden nicht schlecht bestaunt und hoch gehandelt.

Mitte der neunziger Jahre erblickten dann immer mehr künstliche Gummitiere das Licht der Welt. In unzähligen Farben und Formen kommen sie heute daher und werden immer besser an das Beuteschema der Fische angepasst.

Die meisten Köder kommen aus den Staaten

Wer mit Gummiködern erfolgreich Angeln will, sollte ein wenig die Geschichte und die Herkunft solcher Köder kennen: Die meisten von ihnen stammen aus den USA und aus Japan. Zahlreiche Modelle werden auch in China produziert. Aber sie alle haben im Grunde einen Zielfisch: Den Schwarzbarsch! Auch die Gummiköder, die es bei uns in unseren Läden gibt, sind eigentlich Köder, die für das Schwarzbarschfischen entwickelt wurden. Angetrieben wird diese Entwicklung vor allem durch die großen Turniere und Wettbewerbe in den USA, bei denen es um sehr viel Geld geht. Bei den „Bassmaster Classics“, dem größten Turnier in den USA, beträgt allein die Siegprämie 500.000 Dollar. Ansporn genug, immer neue und noch bessere Köder zu entwickeln. Bei uns ist das Wettkampfangeln durch die Tierschutzgesetzgebung verboten. Allerdings hat diese Gesetzgebung Deutschland zu einem anglerischen Entwicklungsland gemacht. Denn nur durch den Ansporn, immer bessere Köder für den noch größeren Fisch zu entwickeln, gibt es immer neue Modelle, Farben und Formen.

Barsch und Zander sind Hauptzielfisch

Bei uns sind es der Flussbarsch und der Zander, die hauptsächlich mit den Gummiködern beangelt werden. Wer mit solchen Ködern den Stachelrittern nachstellt, sollte zunächst deren Lebensweise kennen: Ähnlich wie der Schwarzbarsch saugen Zander und Barsch ihre Beute an. Durch einen kurzen Unterdruck „spülen“ sie sich die Beute hinter die Kiemen. Deshalb sollten Gummiköder schon die Größe von 10 bis 12 cm haben, um einen ordentlichen Happen zu simulieren, aber dennoch aus einer sehr weichen Gummimischung bestehen, die Barsch und Zander beim Ansaugen quasi zusammenfalten können. Auch der gefischte Bleikopf sollte so leicht wie möglich gewählt werden, um den Fischen das Ansaugen der Beute zu erleichtern. Aus diesem Grund haben weder Barsch noch Zander ähnlich gefährliche Zahnreihen wie der Hecht. Der Zander saugt seine Beute an und kann sie mit den sogenannten „Hundszähnen“, einfach töten. Barsche und Zander leben in Gruppen. Nur die ganz kapitalen Exemplare ziehen als Einzelgänger durch unsere Gewässer. Mancher hat schon mal davon gehört, dass Barsche „petzen“. Das heißt, geht ein Fisch im Drill verloren, flüchten mit ihm auch alle anderen und es gibt keinen Biss mehr. Ein ähnliches Verhalten kann man bei Zandern beobachten. Vor allem nachts, wenn die Zander aktiv rauben, verpetzt uns der verlorene Fisch und es kehrt Ruhe ein, wo eben noch einige Fische auf Raubzug waren. Über Botenstoffe, die die Fische aussenden, die Flucht und Gefahr bedeuten, werden die Artgenossen gewarnt und meiden den Platz. Beim Zanderangeln mit Gummifischen muss man beachten, dass Zander nachtaktive Fische sind. Besonders gut an den „Glasaugen“ zu erkennen, die im Grunde wie Restlichtverstärker wirken. Im Dunkeln kann der Zander etwa zehn Mal so gut sehen wie wir. Wenn wir den Zander am Tage in tiefen Löchern und an abfallenden Kanten nachstellen, suchen wir die Fische im Grunde an ihren Ruheplätzen auf.

In der Mittagshitze wird geruht und nicht gejagt

Hier jagen sie nicht aktiv. Es ist auch einer der Gründe, warum immer wieder weiße und neongrüne Gummifische gut fangen: Sie gehen dem Zander bei seiner Mittagsruhe einfach auf die Nerven. Wie eine lästige Mücke, die wir nachts versuchen zu verscheuchen, so will sich auch der Zander den nervenden Eindringling vom Halse schaffen. Weil Fische aber nun keine Hände zum verscheuchen haben, wird nach dem Plagegeist geschnappt. Meistens sind das die Fische, die knapp gehakt am Stinger, dem sogenannten Angstdrilling hängen. Sicher nimmt der Zander auch an den Ruheplätzen einen angebotenen Köder als dankbaren Appetithappen an. Das ist aber eher in der kalten Jahreszeit der Fall und nicht die Regel. Wer aktive Zander befischen will, sollte sich nachts ans Wasser begeben und dann die Flachwasserzonen in See und Fluss aufsuchen. Manchmal ist das Wasser hier nur einen Meter tief, in dem auch kapitale Zander nachts auf Beutezug gehen und in der Dunkelheit einen dunklen oder naturfarbenen Köder nehmen, der nicht unbedingt am Grund angeboten werden muss und dabei nicht giftgrün oder weiß sein sollte. Wer das verstehen will, sollte sich einfach einmal einen dunklen Gummifisch nehmen und mitten in der Nacht von oben auf den Fisch schauen und ihn dann zum Vergleich gegen das Mondlicht halten und von unten betrachten. Ihr werdet feststellen, dass man aus der „Zanderperspektive“ die Silhouette eines dunklen Köders viel besser im Gegenlicht wahrnehmen kann als bei einem hellen Köder. Wer sich also mit den Lebensgewohnheiten und dem Fressverhalten der Zander beschäftigt, fängt auch nachts mit Gummifischen aktiv raubende Zander. Die beißen aber nicht mit einem leichten „Tock“, also dem Moment des Ansaugens des Köders. Nachts wird gefressen und da steigen auch Zander mitunter rabiater ein, als man es erwarten könnte. Und vor allem in den warmen Sommernächten diesen Jahres habe ich es erlebt, das auch Barsche nur noch nachts zu fangen waren, wenn sie aus ihren Ruheplätzen heraus kamen und aktiv an den Krautkanten auf Jagd gingen.

Thomas Bein, Chefredakteur des „Märkischen Anglers“

Erstes Grün & erste Bisse

Für Karpfen-Fans fängt die heiße Zeit schon an, wenn die Nächte noch kalt sind: im März, spätestens April. Das Angeln früh im Jahr ist manchmal erstaunlich einfach, kann aber auch schwierig werden. Fädeln wir ein paar Boilies auf und gehen es an! Brrr! Das ist jetzt aber kein Frühling mehr. Ich tausche kurzärmeliges T- gegen langärmeliges Rollkragen-Shirt und Baseball Cap gegen Wollmütze. Mit der Sonne sinken die Temperaturen und in der Nacht soll sich das Quecksilber auch wieder unter der Fünf-Grad-Marke verkriechen.

Trotzdem bin ich nach wie vor sicher, dass ich mit dem Wind auf die Nase richtig sitze. Ein kurzer Kontrollgang mit dem Thermometer bei Ankunft am Nachmittag hat Klarheit gebracht: Der Wind drückt das von der Frühlingssonne erwärmte Wasser auf dieses Ufer. Konkret bedeutet das 12,2 Grad auf meiner und nur 10,1 Grad auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht.

Klare Entscheidung!

Während ich jetzt im letzten Licht angestrengt das Wasser vor mir nach Fischaktivitäten absuche, piept mein linker Bissanzeiger, um eine Sekunde später die knarrende Rollenbremse mit seinem Dauerpfeiffen zu übertönen. Einen kleinen Jubler kann ich nicht unterdrücken, als fünf Minuten später mein erster Karpfen in den Kescher gleitet. Kopflampe an und erstmal genießen: Ein toller Spiegler weit oberhalb der Zehn-Kilo-Marke liegt da in den Maschen. Und vorfüttern musste ich für diesen Erfolg auch nicht.

Präzision statt Futter

Einen großen Pluspunkt hat die frühe Angelei auf Schuppis und Spiegler: Zu keiner anderen Zeit in der normalen Saison ist Vorfüttern weniger wichtig als jetzt. Die erste Tour des Jahres bereite ich heute gar nicht mehr mit Eimerchen, Wurfkelle oder Boilie-Rohr vor. Fische finden ist gerade jetzt deutlich wichtiger als Fische füttern. Im noch kalten Wasser fressen die Burschen einfach wenig und ziehen oft auch noch keine weiten Strecken im Gewässer herum. Schnell „versenken“ wir unser Futter dort, wo gar kein Rüssler vorbeikommt. Oder wir füttern die Burschen schon ab, bevor wir eine Montage im Wasser haben. Außerdem macht uns Vorfüttern die Entscheidung am Angeltag schwer: Dort, wo wir gefüttert haben, regt sich kein Leben im Wasser, während an anderer Stelle reichlich Rotaugen plätschern und auch eine erste, karpfenverdächtige Bugwelle durchs Flachwasser schiebt. Leicht entscheiden wir dann gegen das Bauchgefühl und bauen dort auf, wo wir gefüttert haben: Die Vorarbeit soll ja auch nicht umsonst gewesen sein! Deshalb: lieber nicht vorfüttern und dafür flexibel dort fischen, wo es gerade am aussichtsreichsten ist. Das ist oft die Uferseite, auf die der warme Wind steht. Kommt es allerdings unangenehm kühl über den Teich, fühlen nicht nur wir uns dort wohler, wo wir Windschutz und etwas Sonne genießen dürfen.

Auffallen!

Typisches Bild an vielen Gewässern in der Phase März/April: Das Wasser steht etwas höher als üblich und ist stark eingetrübt. Da halten wir es am besten so wie ein Spinnfischer es auch bei seiner Köderwahl tut: grelle Köder für trübes Wasser. Unangenehme Erfahrungen mit bunten Kugeln sind den Winter über selbst an stark beangelten Gewässern bei vielen Fischen offensichtlich in Vergessenheit geraten. Erste Wahl am Haar unseres Hakens sind jetzt kleinere und vor allem grelle Murmeln. Ein weißer, gelber oder pinkfarbener Boilie in 12 oder 15 Millimetern trifft den Geschmack der Karpfen oft perfekt. Ach ja, es darf gern ein Pop Up (auftreibender Boilie) oder ein Kombi aus Sinker und Pop Up sein. Natürlich können wir auch einfach zu unserem eher unscheinbaren Lieblingsboilie greifen und diesen aufpimpen. Vielleicht setzen wir oben jetzt einfach ein grelles, buntes Gummimaiskorn drauf – schon fällt der Happen den Fischen viel schneller ins Auge. Oder wir panieren die Karpfenkugel mit aromastarkem und grellem Pulver- Dip. Und auch all die flüssigen Dips in wohlriechenden Duftnoten erleben jetzt ebenfalls ihre Hochphase. Die perfekte Ergänzung zu unserem grellen Hakenköder ist – nicht nur im Frühjahr – ein wasserlösliches Säckchen (PVA-Beutel oder -Netz) mit kleineren Fischpellets oder zerbröselten Boilies.

Stunden, nicht Tage

Im Herbst bleibe ich auch gerne mal mehrere Tage am Wasser und genieße es, wenn die hungrigen Karpfen meinen Futterplatz angenommen haben. Im Frühjahr klappt es auch prima mit kurzen Touren. Ganze Nächte sind oft unnötig, denn wenn das Thermometer nachts ohnehin wieder in karpfenunfreundliche Bereiche rutscht, können wir lieber zu Hause im eigenen Bett schlafen als am See auf einen unwahrscheinlichen Biss warten. Wollen wir trotzdem bis zum Morgen bleiben, legen wir auf jeden Fall mindestens eine Rute etwas tiefer. Vielleicht frisst ja noch ein Fisch bei zwei Metern munter weiter, wenn es bei einem Meter nachts zu kalt wird. Je kälter die Nächte sind, desto sinnvoller wird es, die Angelzeit auf die Nachmittag oder frühen Abendstunden zu legen.

Leichter und länger Eine ganz heiße Adresse für unsere Montagen ist zu Saisonbeginn jeder Bereich, der später im Jahr üppige See- oder Teichrosenfelder hervorbringt. Lange bevor sich das erste Grün an der Oberfläche zeigt, entfalten sich die Grundblätter der Pflanzen und locken allerlei Kleingetier an, dass Grün zum Fressen gern hat. Gartenbesitzer kennen das von den Blattläusen: Die ersten Knospen der liebevoll gehegten Pflanzen sind beliebte Beute bei den hungrigen Parasiten. Seerosenecken haben allerdings oft etwas weicheren Boden und dieser stellt seine eigenen Anforderungen an unsere Montage. Als erstes wählen wir das Blei lieber leichter. 70 Gramm zum Beispiel reichen bei kleinen Ködern und den dazu passenden kleinen Haken für den Selbsthakeffekt völlig aus – und versinken eben nicht tief im Untergrund. Etwas einsinken darf das Ganze gerne, denn eine bessere Tarnung für die Montage gibt es nicht. Länger als auf hartem Boden ist hier das perfekte Vorfach. Wo sonst 15 reichen, gehen wir jetzt auf 20 bis 25 Zentimeter. Ich setze gerne weiches, geflochtenes Material ein, dass ich mit Knetblei oder speziellen Tungstengewichten zum Aufziehen (Sinkers von Korda) daran hindere, auffällige, schwimmende Schlaufen überm Boden zu bilden. Schön weiche Monofile ist eine gute und sehr günstige Alternative für unser Vorfach. Durchmesser: 0,35 bis 0,40 Millimeter.

Mit einem bin ich mir sicher: Wenn ein gerade erwachter Karpfen zwischen den hellgrünen Grundblättern der Seerosen plötzlich etwas Duftendes in Pink entdeckt, dann reagiert er immer gleich: einsaugen! Und schon piept der Bissanzeiger mit den Vögeln um die Wette!

Arnulf Ehrchen

aale

Aale richtig abgefeedert

An einem Fluss zu angeln, ist mit dem Angeln in stehenden Gewässern kaum zu vergleichen. Ich habe die Elbe für mich als Angelrevier entdeckt. Sicher ist der Strom mit anderen großen Flüssen in Deutschland vergleichbar und dennoch hat jeder seine Eigenart. Ist die Elbe im Oberlauf ein kleinerer, im Wasserstand stark schwankender und launischer Fluss und im Unterlauf bei Hamburg eine den Gezeiten anhängige Dame, so ist sie hier im mittleren Flusslauf groß, breit und beeindruckend. Deshalb sollte man dem Fluss auch und vor allem als Angler Respekt entgegen bringen und auf keinen Fall leichtsinnig sein.

Meine Angeltouren führen mich oft mit dem Boot auf die Elbe hinaus. Nicht unbedingt, um vom Boot zu angeln, sondern um so Buhnen zu erreichen, die vom Ufer aus nur schwer zugänglich sind. Beim Angeln auf Zander wie auf Aal muss man die richtigen Buhnen finden und jede ist immer etwas anders mit ihrem ganz bestimmten Charakter. So gestaltet sich auch das Aalangeln anders als im See. Wer hier seine Rute mit dem Grundblei in den Strom wirft, wird oft Schneider bleiben. Denn man muss die Fische und ihre Gewohnheiten kennen. Den dicken Aalknüppel lasse ich seit geraumer Zeit zu Hause, nachdem ich unzählige Fehlbisse hatte. Nicht immer waren es die Wollhandkrabben, die hier die Aalglocke geläutet hatten. Mit straffer Schnur und starrer Rute zupft der Aal am Köder, spürt den Widerstand und lässt sofort wieder los.

Mit weicher Spitze geht’s besser.

Viel besser haben sich Feederruten zum Aalangeln bewährt. Mit ihrer weichen Spitze spürt der Fisch den Widerstand nicht sofort. Wenn man dann die Schnur anders als gewohnt beim Feederangeln im Schnurbogen etwas locker lässt, sieht man zwar jeden Zupfer, der Aal spürt die Rute aber nicht. Wichtig beim Feedern auf Aal ist, dass man sich von bekannten Methoden und Montagen trennen muss. Eine Montage auf der ein Futterkorb oder ein Blei in einer Schlaufe läuft, an der gleichzeitig das Vorfach eingehängt ist, führt beim Aalangeln unweigerlich zu Verwicklungen, die sich nur schwer lösen lassen und oft einen kompletten Umbau zur Folge haben.

Meine Montage ähnelt eher der einer normalen Grundmontage. Ein Wirbel mit Einhänger läuft auf der Hauptschnur, eine kleine Perle und eine Gummiperle schützen den Knoten und sorgen dafür, dass die Schnur frei durch den Wirbel laufen kann. An einer Schlaufe sitzt der zweite Wirbel mit Einhänger, in den ein nicht zu langes Vorfach eingehängt wird.

Auswechselbare Bleie und starkes Gerät.

Wenn man am Fluss mit der Feederrute erfolgreich sein will, sollte man ein breites Sortiment an Bleien dabei haben. Man weiß nie, was einen erwartet, wie tief man angeln muss und wie stark die Strömung ist. Ein Dreibein mit ausziehbaren Füßen gibt eine praktische und sichere Rutenablage auch auf den großen Granitsteinen der Buhnen. Als Hauptschnur verwende ich eine 30-ger Monofile oder eine 12er geflochtene Schnur. Bei einer geflochtenen Hauptschnur ein 35ger Vorfach, bei Monofiler Hauptschnur ein 25er bis 28er Vorfach mit einem nicht zu großen Haken. Als Köder setze ich hauptsächlich Tauwürmer ein. Weil die Wollhandkrabben aber zum Teil sehr aggressiv und hungrig sind, gibt es immer nur einen halben Tauwurm als Köder. Den schnappen sich nicht nur Aal und Co., sondern auch hin und wieder ein Wels oder ein guter Brassen. Meine Bleie haben je nach Strömung 40 bis 100 Gramm. Das heißt, man sollte stabile und kräftige Ruten verwenden, die auch einem halbstarken Wels zwischen 50 Zentimetern und mehr als einem Meter Parolie bieten können. Denn die Bartelträger gehören mittlerweile zum normalen Beifang in der Elbe. Nach Möglichkeit sollten die Ruten drei Meter oder länger sein, um die Montage mit oder ohne Fisch sicher über die Steinschüttungen am Buhnenrand führen zu können.

Mit den Fischen wandern.

Am frühen Abend, so gegen 18 bis 19 Uhr, lege ich meinen Köder entweder an der Strömungskante mit der Strömung oder noch besser an der Strömungskante am Prallhang der Buhne aus. Hier kommen in der Regel der erste oder manchmal die ersten zwei bis drei Aale des Tages. Mit fortschreitender Dämmerung ziehen die Aale in das Flachwasser der Buhne. Weist die Strömungskante oftmals Wassertiefen zwischen drei bis fünf Metern oder mehr auf, so ist es am Ende der Buhne oft nicht tiefer als einen Meter. Hier gehen Breitund Spitzköpfe auf Nahrungssuche und hier muss ihnen mit zunehmender Dunkelheit der Köder angeboten werden. An schwülwarmen Sommerabenden, die vielleicht sogar schon etwas bedeckt sind, funktioniert das Aalangeln im Buhnenfeld am Besten. Wenn man sich am frühen Abend gleich mit seinen Feederruten in der Mitte der Buhne postiert, kann sowohl die Strömungskante wie auch den Flachwasserbereich am Prallhang der Buhne beangeln. Ich habe es oft erlebt, dass die Rute, die in der Mitte der Buhne bei drei Meter Wassertiefe lag, gegen Mitternacht keinen Biss mehr brachte, die Montage im Flachwasser dabei kaum zur Ruhe kam.

Am Anfang nur vorsichtiges Zupfen.

Wer denkt, dass der Aal den Köder gierig verschlingt und dann ohnehin am Haken hängt, der irrt in diesem Fall. An der Feederrute erkennt man zuerst nur ein vorsichtiges Zupfen. Dann nehme ich die Rute auf und lasse etwa einen Meter schnur nach. Danach folgt ein zweites vorsichtiges Zupfen, das jetzt immer energischer wird. Plötzlich zieht der Fisch ab, die Feederspitze krümmt sich und jede Bewegung am Haken ist bis ins Handteil zu spüren. Jetzt wird der Anhieb gesetzt. Dabei muss man darauf achten, dass der Schnurbogen, der durch die Strömung unweigerlich gebildet wird, nicht zu groß ist. Vor allem bei der geflochtenen Schnur, kommt aber auch bei einem Schnurbogen der Anhieb immer durch. 90 Prozent der Aale, die ich auf diese Weise gefangen habe hatten den Haken vorn im Maul zu sitzen, in der Regel im Unterkiefer. Das zeigt deutlich, dass ein Großteil der Fische am „Aalknüppel“ nicht am Haken gezappelt hätten.

Die Alternative zum Tauwurm

Doch nicht immer muss man den Tauwurm als Köder zum Aalangeln verwenden. Unzählige Versuche mit Köderfischen in der Elbe zum Erfolg zu kommen, sind am Fressrausch der Krabben gescheitert. Als Alternative kann man aber auch Bienenmaden (Wachsmottenlarven) verwenden. Nicht nur große Brassen und kleine Bleie lieben diesen Köder. Auch der Aal kann dem Duft der Bienenmaden nicht widerstehen. Das Angeln mit den Bienenmaden hat den Vorteil, dass man nicht ganz so lange wie beim Tauwurmangeln mit dem Anhieb warten muss. Meistens kann gleich beim ersten energischen Zug angeschlagen werden. Egal ob Brassen oder Aal, der Fisch ist in der Regel sofort gehakt. Auch wenn man einen Fehlbiss hatte und nur noch ein Rest der Made am Haken hängt, kann man einfach eine zweite oder dritte auf den Haken ziehen. Zum Aalangeln mit Bienenmaden verwende ich kleine Wurmhaken. Sie verhindern, dass die Bienenmaden schnell vom Haken rutschen. Allerdings ist auch dieser Köder vor den Krabben nicht sicher.

Bissanzeiger in der Dunkelheit.

In den vergangenen Jahren habe ich als Bissanzeiger im Dunkeln an der Feederrute gern Miniknicklichter verwendet. Sie wurden einfach mit Tesafilm an der Feederspitze befestigt und zeigten so zuverlässig jeden Biss an, ohne dabei beim Auswerfen zu behindern. Leider gibt es offensichtlich keine Miniknicklichter mehr. Weder Gerätehändler noch Versandhäuser konnten mir Miniknicklichter liefern. Deshalb verwende ich jetzt als Bissanzeiger die gemeine Aalglocke mit integrierter Knicklichthalterung. Ich montiere die Glocke an der Steckverbindung zwischen Feederspitze und Rute. Leider wird dabei nicht jeder Zupfer mehr ganz so zuverlässig angezeigt. Diese Art der Bisserkennung erfordert vor allem im Dunkeln viel Aufmerksamkeit. Aber es funktioniert dennoch. Ein leichtes Zittern des Knicklichtes und nur ein leichtes Kullern der Kugeln in der Aalglocke signalisieren den ersten zaghaften Biss. Bereits jetzt wird die Rute aus der Halterung genommen, etwas Schnur nachgegeben und jede Bewegung am Köder bis in den Rutengriff übertragen. Habe ich vor Jahren besenstielharte Ruten zum Aalangeln eingesetzt, so sind es jetzt ausschließlich die Feederruten mit dem starkem Rückrat und der federweichen Spitze.

Allerdings hat sich ein neues Problem aufgetan: Wo gibt es Ersatzspitzen für die Feederrute? Denn hin und wieder geben die bei zu großer Belastung und Dauerspannung durch die Strömung schon mal den Geist auf.

Thomas Bein

barsch

Herbstbarsche „Jetzt beginnt das großen Fressen“

Die Blätter an den Bäumen färben sich bunt, die Nächte sind mehr kalt als kühl. Die Wassertemperatur sinkt und nicht nur wir spüren, dass sich das Jahr dem Ende neigt. Auch die Raubfische in unseren Gewässern machen sich jetzt auf, den Winterspeck zu stärken. Das große Fressen hat begonnen.

Hechte verlassen ihre Standorte auf der Suche nach Futterfischen und auch die Barsche machen sich auf zum Beutezug. Sie lauern jetzt in größeren Gruppen unter den absterbenden Pflanzen, halten sich an abfallenden Kanten zum Flachwasser auf, um hier den Kleinfischen aufzulauern.

Typisch für tiefe und strukturierte Gewässer sind jetzt auch Massenfänge von Barschen. Denn der ausgeprägte Futterneid lässt die gestreiften Räuber unvorsichtig werden. Es regiert die Gier. Da kann es auch schnell vorkommen, dass kleinere Artgenossen zur Beute werden. Barsche sind da nicht zimperlich. Um den Herbstbarschen auf die Schuppen zu rücken, gibt es jetzt zahlreiche Köder, die man einsetzen kann. Kleine Crankbaits, kugelförmige Wobbler kann man sehr schnell führen. Damit kann man jetzt größere Wasserflächen schnell absuchen. Fängt man hier einen Barsch, kann man mit kleinen Minnows, also kleinen, schlanken Wobblern, oder mit kleinen Gummifischen an der DropShot-Montage diese Stellen intensiver befischen.

Doubletten sind keine Seltenheit.

Ich habe es in dieser Jahreszeit nicht selten erlebt, dass der Futterneid bei den Barschen so groß ist, dass mit unter an jedem der beiden Drillinge am Wobbler ein Barsch hing. Was beim Angeln mit Wobblern mitunter für Erstaunen sorgt, kann beim Angeln mit Gummifischen zum Ärgernis werden. Nämlich dann, wenn die Barsche in ihrer Gier den Gummifisch so attackieren, dass ständig die kleinen Gummischwänze abgebissen werden. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern mitunter auch recht teuer. Wer dem aus dem Weg gehen möchte, kann den Barschen am DropShot-Rig auch ruhig mal einen halben Tauwurm präsentieren. Ein über dem Grund etwas zappelnder Wurm macht jeden Barsch schwach, denn für so einen kleinen Snak zwischendurch sind auch die größeren Stachelritter immer zu haben.

Maß halten schont die Bestände.

Vor allem zu dieser Jahreszeit ist es möglich, wenn man die richtigen Stellen gefunden hat, wahre Sternstunden beim Barschangeln zu erleben. So hatte ich im vergangenen Jahr, Ende Oktober, einen Angeltag, da kamen mehr als 150 Barsche bei zwei Anglern an einem einzigen Nachmittag ins Boot. Da heißt es dann Maß halten und nicht übertreiben. Wir als Angler dürfen uns dann von der Gier der Barsche nicht anstecken lassen. Oder: Wer will allen Ernstes behaupten, dass er 150 Barsche um die 30 cm komplett verwerten kann? Wir haben an diesem Tag 16 Barsche mit nach Hause genommen. Der Rest durfte wieder schwimmen mit einem netten Gruß an die Kollegen und dem Versprechen, dass man sich noch einmal trifft. Denn auch 16 Barsche dieser Größe sind ein ausreichender Fang für Pfanne und Räuchertonne.

Vorsicht! Grünschnäbel!

Bei der Barschangelei macht es besonders viel Spaß, mit leichterem Gerät ans Wasser zu gehen. Eine Rute mit bis zu 25 Gramm Wurfgewicht, eine leichte Stationärrolle mit einer 0,10 er geflochtenen oder einer 0,25 er monofielen Schnur sind da völlig ausreichend. Doch Vorsicht ist geboten. Wo die Barsche rauben und fressen, sind mitunter auch die Hechte nicht weit. Man kann auch mit dem beschriebenen, leichten Gerät, einen mäßigen Hecht landen. Man sollte aber mindestens ein 40er Fluocarbonvorfach nutzen, um für sich zumindest die Chance zu wahren, den Grünschnabel auch wirklich ins Keschernetz zu bekommen. Sollte sich ein Hecht auf unseren Barschköder stürzen, heißt es vor allem Ruhe bewahren. Unsere leichte Barschrute federt die ersten Fluchten des Hechtes ab, eine richtig eingestellte Bremse tut ihr Übriges dazu. Wenn man jetzt langsam und mit Bedacht drillt und den Hecht langsam in Richtung Ufer lotst, wird der Fang auch gelingen. Sicherlich gehört auch immer etwas Glück dazu, einen Hecht am Barschgeschirr zu landen. Aber in den meisten Fällen kann auch das gelingen. Noch ein kleiner Tipp: Wem das Schuppen der Barsche zu mühselig ist, der kann die Barsche auch einfach mit etwas kochendem Wasser übergießen und die Fischhaut samt Schuppen abziehen. So ist man einem leckeren Barschfilet gleich ein ganzes Stück näher

Th. Bein

Heringsangeln 2011

Als es für mich vor vielen Jahren zum erstem Mal an die Küste zum Heringsangeln ging, gab mir ein Angelfreund einen guten Rat: „Nimm die weißen Paternoster, nur die mit echter Fischhaut und dann musst du immer so reißen mit der Rute.“

Der erste Versuch, Heringe damals noch im Rostocker Überseehafen zu fangen, ging gründlich daneben. Ein ganzer Angeltag brachte gerade mal fünf Heringe. Heute, gut 15 Jahre später, hat sich so mancher Kübel mit den Heringen gefüllt. Doch von dem guten Ratschlag des Angelfreundes von damals ist nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Denn es hat sich gezeigt, dass die weißen Fischhaut-Paternoster nicht unbedingt die beste Wahl sind. Um den Beweis für diese Erkenntnis anzutreten, haben wir verschiedene Paternoster getestet, und festgestellt: Sowohl das Paternoster als auch die Köderführung entscheiden darüber, wie voll der Eimer am Ende wird. Heringe zu fangen, wenn der Fisch gestapelt im Hafen steht, ist keine Kunst. Die Herausforderung besteht vor allem darin, die Heringe zum Anbiss zu überreden, wenn sie eigentlich gar nicht so richtig beißen wollen. Zuerst ist da die Köderführung. Viele Heringsangler reißen die Paternoster förmlich mit einer langen Rute in die Höhe und lassen sie dann wieder absinken, in der Hoffnung ein Hering schnappt sich einen der Köder. Dabei bringt eine langsame Köderführung meistens mehr Fische.

Strömung beachten

An der Küste und in den Häfen gibt es immer Unterströmungen von auflaufenden und ablaufendem Wasser, und auch der Wind spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wie beim Angeln mit Kunstködern im Süßwasser setzt setze ich beim Heringsangeln gern die Faulenzermethode ein. Ich arbeite also nur über die Rolle und halte die Rute weitgehen still. Das Blei liegt auf dem Grund, die Schnur wird einfach straff gehalten. Durch die Strömung im Wasser tänzeln die einzelnen Seitenarme mit den Ködern des Paternosters über dem Grund. Ganz langsam Stück für Stück wird das Paternoster heran gekurbelt und nur leicht gezupft. Dann der erst. Kontakt: Tok. Der Fisch hängt und ich spüre den leichten Zug. Wer jetzt noch einen Moment warten kann, holt vielleicht auch noch den zweiten oder dritten Hering mit ans Paternoster. Ganz langsam wird die Montage mit Fisch heran gekurbelt und oft fasst noch ein zweiter oder dritter Artgenosse zu, um den ersten Zubeißer in den Eimer zu begleiten. Manchmal sind die Strömungen aber auch sehr stark. Zum Beispiel auf dem Rügendamm kann der Wind einen entscheidenden Beitrag dazu leisten. Hier habe ich dann zum Teil mit einem 80 Gramm Birnenblei gefischt, um die Montage am Grund zu halten. Leichtes zupfen hat dann schon gereicht, damit die Fische zum Biss verleitet werden. Nimmt man ein zu schweres Blei, kann man aber schnell an den Heringen vorbei angeln. Dann nämlich, wenn sie in großen Schwärmen im Mittelwasser ziehen. Dann finden sie unseren Köder am Grund natürlich nicht. Für den Fall haben sich leichte Heringsbleie von 35 Gramm aber auch leichte Blinker bewährt. Sie trudeln nur langsam an der straff gespannten Schnur zum Grund und taumeln dabei länger als ein schweres Blei zwischen den ziehenden Heringen, die dadurch mehr Zeit haben, sich unseren Köder zu schnappen.

Farbenspiele

Nicht immer sind die einfachen, weißen Paternoster der Bringer, um den Heringseimer zu füllen. Ich habe nun schon einige Tage an der Küste erlebt, an denen die Angler dicht an dicht standen, aber nur einige von ihnen wirklich gut gefangen haben. Der Grund dafür war wirklich der Paternoster. Farbige Paternoster aus Silikonfolien, manchmal noch mit kleinen Glitzerstreifen garniert, haben an vielen Tagen deutlich mehr Fische in meine Kiste gebracht als die weißen der benachbarten Angler. Es ist dann schon erstaunlich mit anzusehen, wie die Angelkollegen immer nervöser und hektischer werden, wenn man einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser zieht und bei ihnen der Haken leer bleibt. Einige haben dann verzweifelt die Stele gewechselt. Anderen habe ich ein Paternoster geliehen und siehe da: Auch bei ihnen bissen die Heringe plötzlich. Woran diese Farbenfreude der Heringe liegt, kann ich nicht genau sagen. Bei hellem Wetter funktionieren die farbigen Paternoster jedenfalls deutlich besser und bringen zum Teil dreimal so viel Hering wie die einfachen, weißen Heringspaternoster mit der Fischhaut in die Kiste. Vor allem auf dem Rügendamm , wo die Angler zur Saison Schulter an Schulter stehen, sind die Unterschiede sehr deutlich.

Fische suchen

In vielen Bereichen der Ostsee muss man die Heringe immer wieder suchen. Ich erlebe das zum Beispiel an der Rostocker Warnow. Mal sind die Fische im Bereich des Stadthafens, mal viel weiter Stromab. Mal stehen sie am Rande der Fahrrinne und mal im Meter tiefen Wasser direkt an den Schilfkanten. Wenn man sich hier eine halbe Stunde an einer Stelle aufgehalten hat, ohne einen Hering am Band gehabt zu haben, sollte man die Stelle wechseln. Im Frühjahr gibt es vor allem in Rostock regelrechte Heringswanderungen der Angler an den Ufern. Die Angler sind mit Mofas, Fahrrädern und Autos ununterbrochen unterwegs, um auszukundschaften, wo sich die Fische aufhalten und wo gerade gefangen wird. Um sich selbst die Suche zu erleichtern, sollte man mit den anderen Heringssuchern ruhig einige Worte wechseln. So findet man schnell heraus, wo sich ein Versuch lohnt und welche Stellen man besser gar nicht anfährt. Erfahrungsgemäß beißen die Heringe vor allem in den Morgen- und Abendstunden am besten. Aber auch tagsüber kann immer mal wieder ein starker Schwarm hereinkommen und ganz schnell 30 oder 40 Fische in die Kiste bringen. Man kann beim Heringsangeln Sternstunden erleben, aber auch hin und wieder Schneider bleiben. Auf jeden Fall ist eines sicher: Auch das Heringsangeln ist nicht kinderleicht und der Hering kein dummer Fisch, dem man nur irgendein Paternoster vor die Nase zu werfen braucht, damit er sich wie von Sinnen drauf stürzt. Auch der Hering will nach allen Regeln der anglerischen Kunst verführt werden, bevor er sich als Lohn der Mühe in unsere Fischkiste gesellt und anschließend in der Pfanne gebräunt oder im Rauch vergoldet wird.

Thomas Bein

Der Klassiker - Teig

Die große bunte Vielfalt - Teig rettet manchmal den Angeltag. Wer kennt ihn nicht, den Angelteig. Als Knirps hat sicher jeder schon mal schnell ein Brötchen mit Wasser zusammengeknetet und die klebrige Masse an den Angelhaken gesteckt. Kleben war da manchmal wirklich das richtige Wort, denn nicht immer gelang dieser Brötchenteig. Mit den Jahren habe ich meine Teigherstellungsfertigkeiten immer mehr verfeinert und noch heute, viele Hecht- und Karpfensaisons später, fahre ich nie ohne etwas Teig in der Tasche ans Gewässer.

So manchen Angeltag konnte mir der Kleber bereits retten, auch dann wenn Mais, Made und Rotwurm keinen Erfolg mehr brachten. Für meinen Basisteig mische ich einen Teil Semmelmehl und einen Teil Weizenmehl, gebe eine Prise Zucker dazu und dann etwas Wasser. Ich kann das Rezept nicht auf´s Gramm wiedergeben, da gehört einfach Übung und Erfahrung dazu. Aber diese Grundrezeptur ist schnell zubereitet, kostengünstig und bringt immer Plötze, Blei und Karpfen an den Haken. Wer tiefer in das Thema Teig einsteigen möchte, kann natürlich jede Menge experimentieren. Und das ohne in den Angelladen zu gehen. Denn alles was man dazu braucht, findet man in der Küche. So kann man mit Lebensmittelfarbe dem Teig jede beliebige Farbe geben. Ob Rot, Blau oder Grün, alles ist da denkbar. Die Farbe ins Wasser mischen und damit den Teig zusammenkneten. Viel flexibler als bei den Farben ist der Geruch, den wir dem Teig verleihen können. Da kann alles rein, was die Gewürzmühle hergibt. Knoblauch oder Anis, Zimt oder Ingwer, Pfeffer, Vanillearoma oder was einem gerade in die Hände fällt. Sie werden erstaunt sein, worauf Fische so stehen. Nach meiner Erfahrung kommt Anis sehr gut an, aber auch Knoblauch mögen die Fische überraschend gern. Immer wieder sehr gern genommen von unseren schuppigen Feinschmeckern ist der Ingwer. Fruchtig scharf scheinen Plötze und Co. zu mögen. Wer Gewürze in seinen Teig geben will, sollte dies in mindestens doppelter Dosis tun, wie für den menschlichen Verzehr. Denn im Wasser verlieren unsere Gewürze an Intensität. Wer möchte kann in seinen Angelteig auch künstliche Lockstoffe und Aromen beimengen. Allerdings hat hier die Erfahrung gezeigt, dass diese im Wasser sehr schnell auslaugen. Um dem Teig noch etwas mehr Geschmeidigkeit zu verleihen, kann man etwas Öl in die trockene Masse geben. Durch diese wenigen Tropfen Öl hält unser Teig etwas länger am Haken. Ich halte den Angelteig für den Besten Einstiegsköder in die Angelei, der alles kann und jeden Fisch fängt. In früheren Jahren haben wir unserem Angelteig Blutmehl beigemengt und haben damit dann auch gute Barsche gefangen. Der Teig hat als Angelköder eine sehr lange Geschichte und auf ihn gehen zum Beispiel die heute bekannten Boilies zurück. Anfang der 40ger Jahre haben Angler an der Oder mit Teig auf Karpfen geangelt. Auch wegen der Strömung hielt der aber nicht lange am Haken. So wurde ein Teig aus Gries und anderen Zutaten geknetet, ausgerollt, geschnitten und in Wasser gekocht. Nun hatte die Stärke im Grieß gebunden und der Köder löste sich nicht mehr auf. Nach dem Krieg nahmen englische Soldaten diese Angelmethode mit in die Heimat und entwickelten sie hier weiter, bis der gekochte Grießteig als Boilie in tausenden Farben, Formen und Größen zu uns zurück kam. So wie hier beschrieben kann aber auch jeder seinen eigenen Karpfenköder formen. So vielfältig die Herstellung des Teiges als Köder ist, so unterschiedlich kann man ihn den Fischen präsentieren. Da gibt es die kleine Kugel auf der Hakenspitze, oder die flach gedrückte Kugel, die wie eine Hafer- oder Brotflocke beim Absinken zu Boden taumelt. Oder der Tropfen, der den Hakenbogen und den Schenkel bedeckt und für größere Fische bestimmt ist. Ich habe Angeltage erlebt, da wollten die Brassen weder Tauwurm, Made oder Mistwurm. Nur der süße Teig der ihnen am Grund angeboten wurde, fand bei den Fischen Gefallen und führte sie direkt in meinen Kescher. Teig als universeller Köder ist damit mehr als nur etwas für kleine Leute, für Petrijünger und Anfänger. Anders als beim Angeln mit Naturködern darf man beim Angeln mit Teig nicht lange mit dem Anhieb warten. Wenn sich der Bissanzeiger bewegt sofort anschlagen. Der Haken sitzt in der Regel im vorderen Bereich des Fischmaules. Karpfen oder Schleien können den Köder auch schon mal tiefer einsaugen. Aber auch am Grund gefischt kann unser Angelteig gute Brassen in den Kescher bringen.

Ich habe unlängst farbigen Teig getestet. Dieser war in seiner Grundrezeptur völlig gleich. Nur die Farben waren unterschiedlich. Gelb, Grün, Blau und Rot habe ich den Teig mit Lebensmittelfarbe eingefärbt. Der Futterplatz wurde angelegt, mit der Matchrute ging es frisch ans Werk. Mal wurde der gelbe Teig angeködert, dann wieder eine andere Farbe. Das Angeln mit Teig ist sehr kurzweilig. Denn entweder fressen Kleinfische den Köder ab oder wenn dieser zu lange unbeachtet im Wasser bleibt, löst er sich ganz einfach vom Haken. Das Resultat des Kleinen „Teigtestes“ gegen mich selbst am selben Angelplatz war recht verblüffend. Gute Erfolge erzielte ich mit dem Gelben und dem roten Teig. Grün und Blau wollten die Fische so gut wie gar nicht, obwohl die Zusammensetzung identisch war. Das heißt: Es kommt nicht immer auf die Zutaten an, sondern offenbar auch nicht unwesentlich auf die Farbe der Köder.

Allerdings, und das muss ich zugeben, habe ich noch bei keinem Wettkampfangeln Teig als Köder gesehen. Vielleicht sind da einige nicht mutig genug und na Geja, vielleicht kann er auch nicht ganz so gut gegen Maden und Pinkis mithalten. Auf jeden Fall ist unser Angelteig es aber wert, öfter mal über ihn nachzudenken und hin und wieder etwas neues zu probieren. Es muss ja nicht gleich beim Wettkampf sein. Aber in jedem Fall ist Angelteig eine Alternative und vor allem bietet er uns Anglern die Möglichkeit unheimlich kreativ zu sein und hinter her das Geheimnis des Erfolges ganz für uns zu behalten. Dann war da nur „Teig“ am Haken, als der Große anbiss. Die Zutaten bleiben dann ein gut gehütetes Geheimnis.

Thomas Bein

zander

Gummifetischist im Zanderfieber

Zander mit Gummiködern zu fangen ist nicht neu. Doch die meisten Zanderfänge mit den unterschiedlichsten Gummiködern werden in Flüssen und Kanälen gemeldet. In einem stehenden Gewässer, einem See oder Stausee sind regelmäßige Zanderfänge auf Gummiköder eher selten. Hier wird den Stachelrittern meistens der Köderfisch oder der Fetzenköder angeboten. Vorraussetzung für regelmäßige Zanderfänge sind gute Gewässerkenntnisse, sagt Marco K. Er hat gut ein Jahr gebraucht, um an seinem Hausgewässer, einem mehr als 200 Hektar großen Stausee, die Hot Spots zu finden. Dazu waren unzählige Fahrten mit dem Boot notwendig, um mit dem Fischfinder den Gewässergrund zu erkunden und die guten Stellen zu finden.

Abfallende Steinschüttungen, Steilufer die sich unter Wasser fortsetzen, Barschberge und anglerische Hindernisse im Wasser sind die Stellen an denen Marco heute auf Ansage seine Zander fängt. Und das nicht vom Boot, sondern meistens als Uferangler. Um die Hot Spots zu erreichen, sind einige Dinge absolut notwendig: Der richtige Köder und die richtige Wurfweite. Wurfweite heißt hier wirklich Weite, denn wenn man die guten Stellen nicht erreicht, gibt es auch keinen Fisch. Das Problem ist wirklich, die guten Stellen zu finden und mit dem Köder zu erreichen. Mit einer brettharten Rute fischt Marco eine zehner geflochtene Schnur. Die Bleiköpfe variieren dabei stark. Mal hängt nur ein drei Gramm Kopf am Haken, mal sind es bis zu 15 Gramm.

Je nach Jahreszeit

zanderDie Zander stehen nicht immer am Grund. Deshalb fischt Marco mal einen Gummifisch von fünf Zentimetern am drei Gramm schweren Bleikopf, der nur hin und wieder den Grund erreicht. Wenn die Zander jagen, wird der Gummi zügig eingekurbelt und nur hin und wieder mit einem kurzen Stop eine kurze Sinkphase eingeleitet. Dann geht’s mit hoher Geschwindigkeit weiter. Bei dieser Technik steigen nicht nur Zander ein. Auch Hecht und Barsch nehmen den flüchtenden Gummifisch sehr gern. Am Tage bei Sonnenschein sind dabei eher naturgetreue Nachbildungen angesagt, bei bedecktem Wetter steigen die Räuber gern auf helle Köder ein.

Wetterfühlige Fische

Doch manchmal passiert auch an den besten Stellen gar nichts, manchmal ein, zwei Wochen lang. Vor allem die Zander scheinen sehr wetterfühlig zu sein. Ihnen ist es aber offensichtlich egal, ob der Luftdruck hoch oder niedrig ist. Zander wollen einen stabilen Luftdruck, der sich nicht ständig ändert. Das heißt, es gibt kein gutes oder schlechtes Zanderwetter. Es muss lediglich beständig über einige Tage gut oder schlecht sein.

Am Grund sind Stachelritter

Wenn Marco am Grund die Gummis tanzen lässt, dann eher mit größeren Bleiköpfen um die zehn Gramm. Trotzdem muss der Gummi auf Weite kommen. Die Köder, in der Regel um die acht Zentimeter groß, holt der Zanderspezi nur ganz langsam und Stück für Stück ein. Die Rute hält Marco dabei fast parallel zur Wasseroberfläche. Eine Kurbelumdrehung, warten. Eine Kurbelumdrehung, warten. Plötzlich schnellt die Rute nach oben und krümmt sich. „Da hat doch noch einer Hunger“, sagt der Zanderspezi schmunzelnd. Die Polibrille gehört bei dieser Art des Angelns zur Grundausstattung. Auch wenn der Himmel bedeckt ist, lassen sich manche Bisse nicht in der Rute erspüren, sondern werden nur durch die Schnur angezeigt. Die Polibrille hebt die Wasserspiegelung auf und lässt so jede unnormale Veränderung an der Schnur besser sichtbar werden.

Wackelt nichts, beißt nichts.

zanderDie Größe der Bleiköpfe ist im Stausee fast zweitrangig, wichtig ist eine richtige Köderpräsentation. Der Gummi muss laufen, sich bewegen. „Das Problem hier im Stausee ist, dass der Zander nicht jeden Fisch fressen muss, der ihm um die Nase schwimmt. Das ist im Fluss anders. Aber hier kann er warten, hat er Zeit. Die meisten Zander haben sich auf die Uckelei eingestellt. Da muss man die Zander dann schon mal sehr überzeugen, etwas anderes zu probieren“, sagt Zanderprofi Marco. An der geflochtenen Schnur ist ein Einhänger befestigt, hier hängt ein 30ger Hardmono-Vorfach und daran an einem weiteren Einhänger der Köder. So gibt es wirklich keine Dehnung in der Schnur und kein Spiel für den Köder. An den Bleikopf kommen hier aber zum Beispiel kaum noch die sehr verbreiteten Kopytos. „Der Wackelschwanz bewegt sich zwar sehr gut, ist aber zu groß und bei den weiten Würfen verhakt der sich immer im Haken. So funktioniert das natürlich nicht“, sagt Marco. Im stehenden Gewässer sind anders als im Fluss nicht nur Laufeigenschaften, sondern auch Flugeigenschaften der Köder gefragt.

Basteln ist angesagt.

Wenn ein Köder nach sechs oder sieben Würfen keinen Fisch gebracht hat, heißt es Köderwechsel. Weil den Zandern immer wieder etwas Neues präsentiert werden muss, wird da schon hin und wieder gebastelt. Twisterschwänze werden an den Kopyto geklebt und so mancher Gummiköder bekommt ein ganz individuelles Design. Wackelschwänze mit dem großen Teller werden gegen breite Twisterschwänze getauscht. Mit der Schere abgeschnitten, mit dem Feuerzeug kurz heiß gemacht, kann man direkt am Wasser seiner Kreativität freien Lauf lassen. Dabei entstehen nicht nur immer wieder neue Formen, sondern auch immer wieder neue Farbvarianten. Köderwechsel: Kopyto mit gelbem Twisterschwanz und gleich nach dem ersten Wurf ist die Rute wieder krumm. Wieder hat sich ein Zander zum „Kosten“ überreden lassen und hängt am Haken. Dabei ist es offenbar nicht so wichtig, die Natur zu imitieren, sondern den Zandern immer wieder etwas Neues anzubieten. Dass das wirklich funktioniert, konnte Marko eindrucksvoll unter Beweis stellen. An drei Angeltagen konnte er 12 Zander landen, der größte knackte die 90-Zentimeter Marke. Auch einige gute Barsche ließen den Köder dabei nicht unbeachtet vorüber ziehen. Sie hatten Größen zwischen 25 und 40 Zentimeter. Leider können wir hier nicht das obligatorische Fangfoto präsentieren, denn die Zander sind alle wohlbehalten in ihrem Element. „Wenn ich alle Fische, die ich im Jahr fange, verwerten würde, wäre der See bald leer. Wenn ich nur hin und wieder einen Fisch entnehme, kann sich ein guter Bestand aufbauen, denn nicht nur ich und andere Angler sind hier aktiv, sondern auch der Fischer mit Reusen und Netzen“, sagt Marco. Wie bei ihm scheint sich bei einigen Anglern ein Umdenken zu entwickeln, nicht jeden mäßigen Fisch abzuschlagen, sondern bewusst mit den Beständen umzugehen. Zander in stehenden Gewässern mit Kunstködern zu beangeln, funktioniert also, es ist aber deutlich schwieriger als in Flüssen oder Kanälen, in denen manchmal ein einziges Seerosenblatt den Unterschied zur Umgebung ausmacht und so zur guten Stelle wird. Im See haben die Fische viele Stellen, an denen sie sich aufhalten können und müssen, nicht jeden Köder nehmen – hier ist eben der Verführer gefragt und manchmal sind es eben die Feinheiten und Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen, so zum Beispiel manchmal nur einige Meter Wurfweite. Die Gesamtkomposition von Rute, Schnur und Köder muss dabei ganz einfach stimmen. Dann klappt es auch regelmäßig mit den Zandern in den Seen.

Thomas Bein

karauschen

Die vergessenen Fische

Gewässer, die durch Torfabbau entstanden sind, Dorfteiche, kleine Waldseen und sogar Viehtränken verbergen oft einen kleinen Goldschatz: Karauschen, die mit ihren großen Schuppen sicher zu den schönsten Fischen unserer Gewässer zählen. Carassius carassius wie die Wissenschaftler diesen Vertreter der Karpfenfische nennen, bewohnt zwar auch Seen, größere Teiche, Kanäle und langsam fließende Flüsse, doch hat sie hier oft einen schweren Stand. Räuber wie Hecht und Wels lassen sich gern mal einen knackigen Goldbarren schmecken. In den Zeiten des lebenden Köderfischs zählte die Karausche für viele Hechtangler zu den beliebtesten Ködern, denn sie hielt – ohne Biss – oft den ganzen Angeltag durch.

karauschenHeute ist ihre Bedeutung als (toter) Köderfisch deutlich geringer. Das liegt sicher auch daran, dass es immer schwerer wird, überhaupt gute Karauschengewässer zu finden. Zwei Dinge machen der Karausche dabei das Leben besonders schwer: der Verlust geeigneter Lebensräume und starker Besatz mit anderen Fischen. Viele Dorfteiche und andere Kleingewässer fallen menschlichen Aktivitäten zum Opfer und werden einfach zugeschüttet. Oder trocknen durch Wassermangel in heißen Sommermonaten soweit aus, dass selbst die Karausche keine Chance hat. Ein kräftiger Besatz mit Schleien und natürlich den so beliebten Karpfen lässt den Karauschenbestand in der Regel langsam verschwinden. Alle drei Arten ernähren sich sehr ähnlich, nur sind vor allem Karpfen eben deutlich größer als Karauschen und verputzen so auch deutlich mehr.

Die Karausche wird oft verwechselt – vor allem mit dem Giebel (wissenschaftlicher Name Carassius auratus). Die Unterscheidung ist auch nicht einfach. Am lebenden Fisch hilft es am besten, die Schuppen entlang der Seitenlinie zu zählen: Sind es 32 bis 34 dürfte es wirklich eine Karausche sein. Bei 31 kann es auch ein Giebel sein. Sind es nur 27 bis 30 ist es auf jeden Fall ein Giebel. Bei toten Fischen hilft ein Blick in die Leibeshöhle: Das Bauchfell des Giebels ist auffallend dunkel gefärbt. Barteln hat eine Karausche übrigens nie. Auch kleine Schuppenkarpfen tauchen in Meldungen aber immer wieder als Rekordkarauschen auf.

Allein im Teich

Dass die Karausche in einigen ihrer Heimatgewässer die einzige überlebende Fischart ist, verdankt sie ihren Nehmerqualitäten. Selbst Tiefschläge wie ein extrem niedriger Sauerstoffgehalt, starke Überdüngung des Gewässers oder harter Frost steckt ein Karauschenbestand schon mal weg. Was der Karauschenkörper dabei biologisch leis-tet, findet auch in anspruchsvollen wissenschaftlichen Magazinen immer wieder Erwähnung. Denn die Karausche ist zum Beispiel in der Lage, ihren Stoffwechsel so umzustellen, dass sie Alkohol anreichert. Dieser hilft ihr als Frostschutz durch harte Winter. Die Tatsache, dass das Herz des Fisches auch bei extremem Sauerstoffmangel weiter arbeitet, hat das Interesse der medizinischen Forschung geweckt, denn das menschliche Herz bekommt hier sehr schnell große Probleme. Vielleicht lässt sich da für die Behandlung etwas lernen.

Ein Fisch für die Pose

karauschenAnglerisch kann die kleine Karpfenverwandte durchaus anspruchsvoll werden. Auch größere Vertreter ihrer Art zwingen uns beim Posenfischen schon mal dazu, von einem 3-Gramm- auf eine 1,5- Gramm-Modell runterzugehen, um überhaupt Bisse zu bekommen. Posenfischen ist auch wegen der geringen Größe vieler Karauschengewässer die Standardtechnik, um die Goldbarren zu fangen. Einfacher Dosenmais bringt fast immer Bisse, doch kann an schwierigen Tagen eine gute Köderauswahl sehr hilfreich sein. Teig, den wir mit verschiedenen Aromen veredelt haben, kleine Rotwürmer oder Maden sind bewährte Köder-alternativen zum Mais. Auch für Vorfächer und Haken gilt übrigens: so fein wie irgend möglich. Denn die Königin des Dorfteichs kann schon eine launische Diva sein! Dass der rundliche Fisch mit den großen Schuppen viel mehr als nur Köderfischgröße erreicht, beweisen gerade skandinavische Friedfischspezialisten immer wieder. Ein herrliches Beispiel dafür kommt aus Dänemark: Die Riesenkarausche von Brian Jensen wollen wir Ihnen deshalb hier unbedingt zeigen. Diese Karausche hat ein Gewicht von unglaublichen 3,75 Kilo bei 52 Zentimeter Länge! Laut der wissenschaftlichen Internet- Datenbank www.fishbase.org können Karauschen aber noch größer oder zumindest länger werden: 64 Zentimeter werden dort als größte, bekannte Karauschenlänge angegeben. Was muss ein Fisch dieser Größe an der leichten Posenrute für eine Spektakel veranstalten! Schon deutlich kleinere Vertreter seiner Art legen herrlich hektische Fluchten und schnelle Richtungswechsel hin, die jeden Drill spannend werden lassen. Wo Karauschen groß werden, können sie auch gezielt mit Karpfentechniken gefangen werden. Selbsthakmontagen mit Hartmais oder Mini-Boilies an Haarvorfächern gehören dort zum festen Repertoire der Karauschenspezialisten. Es ist halt ein kleiner Karpfen mit goldenen Schuppen. Apropos: Viele Karpfenrezepte passen natürlich auch für seine kleine Verwandte ausgezeichnet. Obwohl die Karausche grätenreicheres Fleisch hat als der Karpfen und natürlich geschuppt werden muss, hat sie auch als Speisefisch durchaus ihre Fans. Kleinere Fische bieten sich zum Frittieren an, größere wandern in vielen Rezepten in Alu-Folie verpackt in den Ofen, andere empfehlen das Braten in Butter. Unabhängig von der Zubereitungsart kann der leicht süßliche Geschmack der Karausche aber viele Fisch-Fans überzeugen.

Arnulf Ehrchen

Feines Feedern in der kalten Jahreszeit

Das Angeln auf Friedfische wird mit sinkenden Temperaturen immer schwieriger. Denn die Fische fahren den Stoffwechsel auf ein Minimum herunter und nehmen so auch nur noch wenig Nahrung auf. Da bedarf es schon einiger Überredungskünste Plötzen, Brassen und Co. an den Haken zu locken. Kanäle und Häfen lassen sich aber zu dieser Jahreszeit im tiefen Wasser mit Kopf- oder Matchruten nur noch schwer beangeln weil die Einstände der Fische kaum zu erreichen sind. Hier haben sich Feederruten bewährt. Allerdings muss man die Montage und den Köder den Umständen der kalten Jahreszeit anpassen.

Feines Gerät zum Fischen

Die Hauptschnur sollte so dünn wie möglich gewählt werden, denn das Wasser ist zu dieser Jahreszeit oft sehr klar und eine dünnere Schnur hilft weite Würfe zielgenau an den Platz zu bringen. In der kalten Jahreszeit sollten wir die leichteste und dünnste Feederspitze als Bissanzeiger an unserer Rute verwenden die man im Sortiment hat. Denn oft sind die Bisse nur kleine Zupfer. Der Futterkorb sollte ebenfalls nicht zu groß gewählt werden. Je nach Strömungsbedingungen sollte der Futterkorb mit einem Bleischlitten versehen sein, der unseren Köder trotz Strömung immer noch am Platz hält, auch wenn die Füllung unseres Futterkorbes bereits aufgelöst wurde.

Welcher Korb ist der richtige?

Es gibt viele Arten von Futterkörben die je nach Gewässer zum Einsatz kommen können. In der kalten Jahreszeit verwende ich gern kleinere Körbe mit mittelgroßen Maschen. Hier tritt das Futter nur langsam aus. Man sollte im Winter ohnehin sparsam mit dem Futter sein. Feiner Sand und einige Maden unter das leicht lösliche und vor allem sehr fein gemahlene Futter gemischt helfen dabei, dass die Fische zwar angelockt und aufmerksam werden, aber nicht zu schnell satt sind. Ein kleiner Haken am kurzen Vorfach an der Schlaufenmontage liegt dann immer in der Nähe des Futterkorbes. Als Köder verwende ich in der kalten Jahreszeit vor allem Fleischmaden und Caster. Es gilt ein Problem zu lösen. Vor allem Brassen und Plötzen, zu dieser Jahreszeit unsere Hauptzielfische, nehmen kaum noch Nahrung vom Grund auf. Deshalb ködere ich gern eine Fleischmade und einen Caster an den Haken. Die verpuppte Fleischmade ist leicht und treibt auf. Sie hebt den Köder und den kleinen Haken leicht vom Grund an. Dasselbe erreicht man mit einer kleinen Styroporkugel die auf den Haken aufgefädelt wird. Sie lässt unsere Fleischmade kurz über dem Grund schweben. Die Fische brauchen so den Köder nicht am Grund suchen sondern finden ihn „auf Augenhöhe“. Sicherlich sind mit der Feederrute in der kalten Jahreszeit nur selten Massenfänge möglich wie in den Sommermonaten, weil die Fische sich langsamer bewegen, weniger Nahrung aufnehmen. Die eine oder andere gute Winterplötze kann man aber dennoch überlisten.

Thomas Bein
Bilder: © Thomas Bein

Mit Hightech Köder in Miniaturausgabe auf Barsch

Sie wohnen in kleinen Schachteln, einsam an der Köderwand des Angelladens. Gesellschaft leisten ihnen manchmal nur zwei kleine Einzelhaken mit Ösen dran. Viele beachten sie gar nicht. Wer dann doch die Packung von der Wand nimmt, den Miniwobbler betrachtet und sich das Preisschild ansieht, ist zuerst schockiert: So viel Geld für so wenig Kunstköder. Aber wie ihre großen Geschwister sind auch sie absolute Profis in ihrem Element. Oft sind sie nur wenige Zentimeter groß und nur wenige Gramm schwer, Tauchtiefen liegen zwischen 50 und 150 Zentimetern. Also nur was für flaches Wasser?

Nicht unbedingt. Vor allem in den Sommermonaten haben sich viele Räuber auf Brutfische eingeschossen. Womit jetzt effektiv angeln, wenn die Räuber jeden anderen Köder großzügig ignorieren? Genau die kleinen Wobbeltierchen schließen die Lücke und sie sind die Antwort auf die Köderfrage. Wenn die Mini-Wobbler erst im Wasser sind, zeigen sie so richtig, was sie können. Auch hier gibt es die schwimmende, die sinkende und die suspendig - die schwebende Variante. Doch so fein und filigran die Köder auch gearbeitet sind: Das Gerät und die Montage müssen sich dem anpassen, um die Stärken der Minis wirklich auszuspielen.

Um die Kleinen werfen zu können, braucht man entsprechendes Gerät: feine Rute mit einem Wurfgewicht bis 15 Gramm, eine sehr dünne aber weiche geflochtene Schnur, Fluorkarbon als Vorfachmaterial und Einhänger, die haltbar aber leicht sind. Denn vor allem der Einhänger am Vorfach beeinflusst das Schwimm- und Laufverhalten der kleinen Köder viel stärker als bei den großen Geschwistern unserer Miniwobbler. Ein schwebender Wobbler wird da bei zu schwerem Einhänger schon mal schnell zum sinkenden U-Boot. Je kleiner und feiner das Gerät, umso besser können die Kleinen in ihrem Element zeigen, was sie können. Ich hatte vor einigen Wochen ein wenig Mitleid mit den kleinen Miniwobblern an der Köderwand und habe einige aus ihrer Einsamkeit befreit. Sie durften sich zu den anderen Wobblern in meiner Köderkiste gesellen. Dabei fiel meine Wahl vor allem auf natürliche Muster in Silber mit weißem Bauch und blauem Rücken. Aber auch Minis in grellen Farben haben vor allem auf beißfaule Fische ihre Berechtigung.

Am Wasser angekommen, treten sie mit mir eine kleine Bootsfahrt an und freuen sich endlich im Wasser zu zeigen, was sie können. Vom Boot aus geht der erste Wurf in Richtung Ufer. Viele Bäume säumen den See, glasklares Wasser und Räuber, die im Schatten der Bäume auf Beute lauern. Gleich der erste Wurf bringt den ersten Fisch. Mit einem kleinen „Plop“ landet der Wobbler auf dem Wasser. Die ersten Kurbelumdrehungen, in der feinen Rute spürt man, wie der Wobbler arbeitet und die kleine Rasselkugel vibriert. Und dann rüttelt es plötzlich wie wild am Köder. Der erste Barsch hat den Mini gleich genommen, zwei, drei Meter durfte er sein Können ausspielen und das reichte, um den Barsch von seinen Qualitäten zu überzeugen. Wie wild dreht sich der gestreifte Räuber, zeigt hin und wieder mal seinen weißen Bauch. Das alles hilft nichts, denn die kleinen, nadelscharfen Haken haben sicher gefasst. Der kleine Tiny Try 50 von Illex war nur einen Moment im Wasser und konnte dabei nur ein kleines Stück davon ausspielen, was er wirklich kann. Ein zweiter Räuber will an dieser Stelle nicht auf den Köder hereinfallen. Mehrere gute Barsche verfolgen den Köder bis zum Boot, attackieren ihn aber nicht. Jetzt kann der Knirps zeigen, was er noch kann. Drei, vier Kurbelumdrehungen und kurze Pause. Dann wieder ein Stück im Wasser arbeiten.

Kurbelt man die Miniwobbler in der suspendig Bauweise mit einer kleinen Pause ein, bleiben sie an ihrer Position. Die Wobbler sinken nicht weiter ab und steigen auch nicht auf. Allein ein kleiner Einhänger führt dazu, dass der Miniwobbler etwas „kopflastig“ wird und langsam zu Boden taumeln könnte. Doch auch hier bleibt er leicht über dem Grund schwebend im Wasser stehen. Die Drillinge schweben über dem Grund. Entweder greifen sich Barsch und Co. genau in dieser Ruhephase den Köder oder genau dann, wenn er sich nach einer kurzer Ruhepause wieder in Bewegung setzt. Die kleinen Minis sind ebensolche Hightech-Köder wie ihre größeren Artgenossen. Man kann sie ganz langsam führen, aber auch über Krautbänken und an Schilfkanten taumeln lassen. Auch hier wird so mancher Räuber verführt. Hin und wieder schnappt sich auch ein hungriger Hecht den kleinen Miniwobbler. Ein haltbares Fluokarbonvorfach ist da Pflicht. Stahlvorfächer würden den Lauf des Köders zu sehr negativ beeinflussen. An dem ganz feinen Gerät macht aber auch ein gerade maßiger Hecht sehr viel Rabatz und es macht richtig viel Spaß den Halbstarken auszudrillen. Doch die kleinen sind nicht nur im Flachwasserbereich zu gebrauchen. Selbst bei Wassertiefen um die drei Meter haben die Barsche zugeschlagen. Sie lauern in der Tiefe an Kanten und Krautbänken. Und dann steigen sie blitzschnell auf, um den kleinen Köder zu attackieren. So ausbalanciert und verführerisch die Knirpse unter den Wobblern auch sind: Auch die kleinen und dennoch stabilen Drillinge sind Nadelscharf und bestrafen den geringsten Versuch den vermeintlichen Beutefisch zu fressen.

Wer nicht nur im Herbst sondern auch im Sommer richtig Spaß am Spinnfischen haben will, sollte sich im Angelladen ruhig mal den kleinen Ködern widmen, die da ganz einsam an der großen Köderwand hängen. Der Minieinsatz verführte eine ganze Reihe Barsche an diesem Tag. Zum Fototermin wurden jedoch nur so viele gefangen, wie es für eine Pfanne voll zum Abendessen brauchte.

Thomas Bein

Spinnen im flachen Wasser

Manchmal weiß man erst am Wasser, was man für Schätze in der Gerätekiste hat. Nämlich dann, wenn der Spezialist sein Können ausspielt. Ondex-Spinner von Rublex sind Spezialisten für flaches Wasser, heiße Fische und schwierigste Situationen.

In einem relativ flachen Karpfen- und Schleiengewässer wächst das Schilf Jahr für Jahr weiter in die Wasserfläche. Die Fische freut´s, denn sie haben noch mehr Schutz, doch für Angler wird es immer schwieriger, in diesem Gewässer den Fischen nachzustellen. Neben Karpfen und Schleien gibt es auch einen guten Bestand an Plötzen, Brassen und Rotfedern. Natürlich haben sich bei dem reich gedeckten Tisch auch zahlreiche Hechte eingefunden. Doch auch sie haben sich ihr Jagdrevier und Schilf gesucht, dort wo ihre Beute, die kleinen Plötzen und Rotfedern, sich aufhalten. Wie aber sollen die Hechte dort beangelt werden? Jetzt im Frühjahr sieht der Teich aus wie ein frisch gerodeter Schilfwald. Trockene Halme ragen dicht an dicht aus dem Wasser, das frische Grün sprießt schon leicht. Im Freiwasser ist keiner der Räuber zu fangen. Im Schilfwald räubern die Hechte dafür an vielen Stellen. Wie soll man die Räuber hier aber fangen? Wer ist so verrückt, in diesen Schilfwald seinen Köder hineinzuwerfen? Mit geflochtener Schnur und einer mittelstarken Rute wage ich den Versuch. Als Köder taugt hier aber kein Blinker, kein Gummifisch und auch kein Mepps-Spinner, sondern eine ganz besondere Art von Spinner. Der Ondex von Rublex kommt hier mal wieder zu Ehren. Diese Spinner sind etwas ganz besonderes. Sie haben zum Beispiel kein Blei auf der Spinnerachse. Das Wurfgewicht kommt nur vom Spinnerblatt und den zahlreichen Wollfäden am Drilling, die man vor dem Werfen kurz ins Wasser tauchen sollte, um noch ein paar Gramm mehr Gewicht zu bekommen. Das bedeutet, dass man den Köder auch im sehr flachem Wasser langsam führen kann, denn das breite, löffelförmige Spinnerblatt ist das einzige Gewicht des Köders und sorgt durch seine Rotation für enorme Druckwellen, ohne zu versinken. Das Ganze hat aber noch einen Vorteil. Der Rotationskreis des Spinnerblattes ist sehr groß. Das heißt, dass der Kreis, den das Spinnerblatt bei seiner Rotation beschreibt größer ist als der Drilling dahinter. Dadurch schlägt das Spinnerblatt gegen Hindernisse wie Schilfhalme oder Äste unter Wasser ohne dass der Drilling diese jedes mal greift. Soweit die Theorie. In meinem Schilfwald kann man aber trotzdem nicht blindlinks hineinwerfen, denn auch der beste Spinner findet irgendwann sein Hindernis. Deshalb suche in vor jedem Wurf eine Schneise zwischen den Halmen, die ich anwerfen kann. Hier wird der Köder dann langsam hindurch geführt und mit steil gestellter Rute um Hindernisse sacht herumgeführt. Der erste Wurf ging gleich völlig daneben und hing gleich im Schilf. Der Drilling löste sich aber noch recht leicht und so konnte die Angelei weiter gehen. Der Ondex lässt sich schwierig werfen, denn man muss ihn so geschickt in die Luft schicken, dass das Spinnerblatt an die Achse klappt und der Spinner so sprichwörtlich segelt. Aber eben auch noch dahin, wo er hin soll. Der zweite Wurf war besser und tatsächlich, auf halber Strecke fällt der erste Hecht über den Köder her. Wütend wehrt sich der Bursche gegen den Druck der Rute. Drillen ist hier nicht angesagt. An der steil gestellten Rute muss der Hecht ans Ufer, auch wenn er an der Oberfläche planscht und wütend tobt und versucht, ins Schilf zu flüchten. Im trockenen Schilf sind solche Manöver kein sehr großes Risiko. Anders wäre es im Sommer oder im Herbst, wo scharfe Schilfblätter eine straffe geflochtene Schnur auch schon mal kappen können. Der erste Hecht an diesem Tag landet sicher im Kescher. Kein Riese mit 55 Zentimeter; aber mäßig und gerade die richtige Größe für die Bratpfanne. Nachdem der Bursche von seinem Irrtum befreit ist; geht es weiter. Schneise im Schilf suchen, auf den Wind achten und den Ondex in den Wald schicken. Es dauert nicht lange, keine 15 Minuten, da schlägt der zweite Räuber zu. Auch er stand mit im Schilf und stürzte sich gierig auf den Köder. Mit der selben Methode kommt auch er in den Kescher. Der Kollege ist allerdings noch etwas zu klein und darf nach der Landung wieder schwimmen. Jetzt mache ich erst einmal eine Pause. Bislang habe ich den 5er Ondex in Silber gefischt. Jetzt kommt ein kleineres Modell an den Haken, Messingfarben wie die Schuppen der vielen Rotfedern hier im Teich. Das Räubern zwischen den Schilfhalmen hat etwas nachgelassen, aber noch immer sind Hechte im Schilf unterwegs. Sie haben sich vom Drill ihrer beiden Artgenossen offensichtlich nicht verscheuchen lassen. Rute in die Hand nehmen, Schnur festhalten, Bügel öffnen, die Wollfäden leicht ins Wasser tauchen und ab geht’s in den Schilfwald. Gleich der erste Wurf mit dem neuen Köder funktioniert und landet in einer kleinen freien Stelle im Schilf, die etwa einen Quadratmeter groß ist. Drei, vier Kurbelumdrehungen und schon kocht das Wasser. Ein ordentlicher Hecht hat sich gleich bei den ersten Umdrehungen des Spinnerblattes den Köder geschnappt. Der Bursche ist etwas größer als seine beiden Vorgänger und versucht, kreuz und quer ins Schilf zu flüchten. Mal nach links, mal nach rechts. Anders als an normalen Gewässern kann ich die Rut im Drill nicht zur Wasseroberfläche halten, um das Springen und Schütteln des Hechtes zu verhindern, denn sonst kann ich den Burschen nicht durch das dichte Schilf dirigieren. Immer wieder kommt der Hecht mit dem Kopf aus dem Wasser und reißt das Maul weit auf, versucht den Haken los zu werden. Nur ein Haken des Drillings sitzt direkt vorn im Maul. Langsam führe ich den Hecht zum Kescher, eine letzte kurze Flucht, ein letztes Kopfschlagen und der Hecht löst sich vom Haken. Der hängt jetzt im Kescher. Doch der Hecht ist vom Drill noch ziemlich benommen und bleibt einen kurzen Moment im knöcheltiefen Wasser stehen. Schnell lege ich den Kescher über den Fisch und ziehe ihn zum Ufer. Beim Fluchtversuch schwimmt der Grünschnabel direkt in den Kescher.

Glück gehabt. Immerhin 72 Zentimeter lang ist der Bursche und damit die Bestleistung aus dem Schilfwald an diesem Tag. Für heute reicht es, ich packe meine beiden Hechte ein und arbeite mich durchs Unterholz zurück zum Auto. Es war ein erlebnisreicher Tag und in der Frühlingssonne ein schönes Naturerlebnis. Ich war in diesem Angeljahr noch zweimal im „Schilfwald“. Allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Wahrscheinlich waren an diesem hier geschilderten Tag die Rotfedern und Plötzen so zahlreich ins Schilf zu ihren Laichplätzen gezogen, dass die Räuber ihnen zahlreich folgten. Allerdings ist im weiteren Frühjahr oder im Sommer das Angeln im Schilf auch mit dem Ondex immer schwieriger, weil die neuen Triebe sehr hoch wachsen und sich so die Schnur bereits beim Werfen in den Halmen verfängt. Erst im Frühjahr, wenn das alte und trockene Schilf gebrochen und die jungen Triebe noch klein und weich sind, kann man den Wurf ins Schilf wagen. Allerdings hat der Ondex in diesem Jahr eine gute Strecke Hechte auf die Seite gelegt, denn es gibt ja noch genug andere flache Gewässer, für die dieser Köder wie gemacht ist.

Thomas Bein

Mit Gummifisch aktiv auf Zander

Kommt man an ein Gewässer um aktiv auf den Zander mit Gummifisch zu angeln, so stellt man sich immer die Frage, welche Farbe wohl heute die fängigste sei. Bei der Auswahl der einzelnen Farben spielt natürlich die Gewässertrübung, Gewässertiefe und ob man am Tage oder in der Dunkelheit fischt eine wichtige Rolle. Auch die momentan vorliegende Jahreszeit und ob man am Fluss oder See den Zander nachstellen möchte, spielt eine ganz wichtige Rolle bei der Auswahl der Farben. Es ist wichtig, dass man stets die passendsten Farbkombinationen zur Hand hat, um in der Lage zu sein, verschiedene Farben der Situation anzupassen, was letztendlich über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Hat man die geeignete Farbkombinationen nicht in seiner Köderbox, so kann man sich zwischen sehr hellen und sehr dunklen Farben entscheiden, da nicht selten die Kontraste Schwarz und Weiß den ein oder anderen Zander zum Biss verleiten. Man sollte sich aber vor dem Angeln auf dem Zielfisch Zander so vorbereiten, das man sich eine Auswahl an Gummiködern so zusammen stellt, das man sich den entsprechenden Gegebenheiten anpassen kann.

Um den Zander noch mehr auf unseren Köder Aufmerksam zu machen, montieren wir einfach Geräuschekapseln (Rasseln, oder ähnliches) an den Gummi, um die Lockwirkung zu steigern, da diese beim Auftreffen auf den Grund eine Anwesenheit des Köders signalisieren.

Farbskala:

  • Klares Wasser & helles Licht: Transparent – Silberglitter
  • Klares, leicht angetrübtes Wasser: Transparent – Blau – Glitter
  • Trübes Wasser & Sonnenschein: Bernstein – Goldglitter, Dunkelgelb
  • Tiefe & warme GewässerTiefe & warme Gewässer: Transparent – Rotglitter
  • Universal einsetzbar in allen Gewässertypen: Transparent - Schwarzglitter
  • Standartfarbe für Gewässer mit vorsichtigen Zander: Motoroil – Grün, Braun – Grün, Grün – Glitter
  • Beginn der Nacht (Dämmerung): Mattschwarz, Weiß , Gelb, Gelb – Grün
  • Nachfischen in tiefen, klaren Gewässer: Glanz – Schwarz – Rotglitter, Weiß, Gelb

Ob der Zander an der gewählten Farbe Interesse zeigt, liegt auch an der Technik, die man anwendet, denn nicht nur die Farbe ist entscheidend, auch das Laufverhalten des Köders.

Das Imitieren eines Beutefisches sollte mit der angewanden Technik den Zander so überzeugen, dass er denkt, eine leichte Beute machen zu können, da er nur auf kurze Distanz den Köder verfolgt und dann das Interesse verliert. Welche Farbe zum Einsatz kommt, verrät uns eine Farbskala, die uns eine Übersicht, wann und welche Farbe angeboten werden soll gibt.

Olaf Marawaki

Bisse unterm Boot

Sie sind Zander- und Barsch-Fan und besitzen ein Boot? Perfekt, denn selbst wenn es nur ein Schlauchboot ist, reicht es aus, um eine der effektivsten Techniken auf die Stachelritter einzusetzen: das Vertikalangeln. Der Name sagt schon fast alles Wesentliche: Wir bieten unseren Gummiköder am Bleikopf unterm Boot an. Um die Anschaffung einer speziellen Vertikal- Rute kommen wir allerdings nicht herum. Keine Sorge, dafür muss niemand einen Kredit aufnehmen, der Fachhandel bietet inzwischen eine reiche Auswahl an passenden Ruten in allen Preisklassen. Wichtigste Eigenschaften einer Vertikalrute: 1,80 bis 2,00 Meter Länge, geringes Eigengewicht und eine steife Spitze.

Mit so einem leichten, straffen Stock können wir einen langen Angeltag durchhalten, ohne einen lahmen Arm zu bekommen und gleichzeitig perfekt spüren, wenn unser Gummiköder auf den Boden aufsetzt oder ein Zander ihn einsaugt. An unsere Vertikalrute schrauben wir eine kleine Stationärrolle (Größe 2000 bis 2500). Wie beim Werfen mit Gummiködern auch ist geflochtene Schnur auf der Spule ein absolutes Muss für die Bisserkennung. Ans Ende der 0,12 bis 0,14 Millimeter dicken Hauptschnur knoten wir ein Vorfach aus abriebfestem Material wie Hard Mono, Fluorocarbon oder bei großer Hechtgefahr gleich dünnem Stahlvorfach. Ein Karabiner am Vorfachende macht Köderwechsel zum Kinderspiel. Doch mit dem Köder kommen wir schon zu den Unterschieden zum normalen Gummifischangeln.

Wenig Bewegung

Schaufelschwanzfischchen und Twister scheiden fürs Vertikalangeln aus. Sie spielen nur bei Zug und den bekommen sie bei dieser Technik nicht. Statt Sichel oder Schaufel am Körperende sind für das „senkrechte Angeln“ Gummis mit spitz zulaufendem Fadenschwanz oder einer kleinen Gabel am Körperende ideal. Auch ein Fransenkranz als Hinterteil passt perfekt. Egal, welche Schwanzform wir wählen, gute Vertikalköder haben einen abgeflachten Rücken. Dieser ist für die Fängigkeit mitentscheidend, denn beim Anheben des Köders sorgt ein breiter abgeflachter Rücken für Wasserverdrängung und damit Druckwellen, die Zander und Barsch selbst in trübem Wasser mit ihrem Seitenlinienorgan sicher wahrnehmen. Die kleine Gabel und der Gummifaden am Ende des Köders sorgen ebenfalls für Druckwellen, allerdings wesentlich feinere, indem sie beim Anhalten nachschwingen. Die Schwanzform des Köders sorgt genau über diese Schwingungen für eine unterschiedliche Aktion, wobei das Wort hier eine ganz neue Bedeutung bekommt. Im Vergleich zum Sichelschwanz eines Twisters erscheinen Vertikalköder fast aktionslos. Aber Wasserverdrängung des Köderrrückens und Schwingungen des Schwanzendes passen oft viel besser ins Beuteschema der Räuber als das lebhafte Spiel von Gummifisch und Twister. Kein Wunder, dass gerade im Herbst und Winter Vertikalangler oft deutlich besser fangen als ihre Kollegen, die mit geworfenen Gummis fischen. Bei wenigen Grad Wassertemperatur flitzen kleine Fischchen ja auch nicht wie wild durchs Wasser! Doch Vertikalangeln funktioniert das ganze Jahr über. Immer, wenn die Stachelritter dicht am Grund stehen, lassen sie sich durch den regelmäßig auf den Boden klopfenden Köder auch zum Biss bringen. Die Wassertiefe spielt dabei kaum eine Rolle. Selbst bei einem Meter Wassertiefe klappt es mit Vertikal – und bei 20 Metern ist diese Technik wohl die effektivste überhaupt.

Kein Jojo

Wer schon lange mit Gummifisch und Twister werfender Weise auf Zanderjagd geht, muss sich beim Vertikaleinstieg umgewöhnen. Statt den Köder mit Sprüngen über den Boden hüpfen zu lassen, gilt es jetzt, sich an einen neuen Rhythmus zu gewöhnen. Kompliziert ist er aber nicht: Nachdem wir unseren Köder bis zum Gewässergrund abgelassen haben, heben wir ihn mit einer kurzen Beschleunigung aus dem Handgelenk an – 10 bis maximal 30 Zentimeter hoch. Ist er oben, kommt das Wichtigste: eine Pause, in der wir den Köder halten, ohne ihn zu bewegen. Zählen Sie am ersten Vertikalangeltag ruhig langsam bis drei, bevor Sie den Köder wieder bis zum Bodenkontakt absenken. Am Grund braucht er nicht lange zu liegen – nach einer Sekunde, beschleunigen wir ihn wieder, halten ihn einen Moment und senken ihn erneut ab. Oft kommt der Biss auf „zweieinhalb“ in der Haltephase. Der überwiegende Rest der Räuberattacken erfolgt genau dann, wenn wir den Köder absenken. Haben Sie beim Herunterlassen also das Gefühl, Ihr Köder setzt zu früh und etwas zu hart am Boden auf, schlagen Sie unbedingt an. Genauso sollte die Reaktion ausfallen, wenn sich der Gummifisch einmal nur zäh vom Grund lösen lässt. Jetzt hält wahrscheinlich schon einer fest, in dessen hartem Maul wir aber nur mit einem kräftigen Anschlag den Haken setzen können.

Laaangsam!

Leider nützt auch die perfekteste Führung mit schön langer Haltephase und gefühlvollem Absetzen wenig, wenn das Boot von einem kräftigen Wind zu schnell über das Wasser geschoben wird. Bootsgeschwindigkeit ist beim Vertikalangeln immer gleich Ködergeschwindigkeit und ist die niedrig, sind unsere Chancen auf gute Fänge hoch. Um beim Boot auf die Bremse zu treten, kommen zwei Hilfsmittel in Frage: ein Driftsack (auch Treibanker genannt) und ein Elektromotor. Der Driftsack wird am Bug befestigt und arbeitet unter Wasser wie ein Fallschirm. Treibanker gibt‘s im Fachhandel zum Beispiel über die Firmen Dream Tackle und Profi- Blinker. Je größer der Driftsack ist, desto stärker bremst er das Boot ab. Noch besser lässt sich als Vertikalangler die Bootsdrift aber mit einem Elektromotor steuern, der am Heck befestigt wird. Wir setzen den leisen Antrieb ausschließlich im Rückwärtsgang ein und fahren entweder sehr langsam gegen den Wind oder lassen das Boot mit dem Wind treiben und bremsen nur leicht mit dem Motor. Ideal ist für beide Varianten ein Modell mit stufenloser Geschwindigkeitsregulierung.

Vertikal zu Fuß

Selbst ohne Boot kann Vertikalangeln punkten. Überall, wo wir zu Fuß über die Fische kommen, können wir genau wie vom Boot unseren Gummiköder perfekt auf Augenhöhe der Zander und Barsche anbieten. Von Brükken, Spundwänden oder Stegen bietet sich „Vertikal“ deshalb auch für Uferangler an. Einfacher ist es hier auch, denn wir müssen uns ja nicht auch noch um die Bootskontrolle kümmern, sondern können uns voll und ganz aufs Fische fangen konzentrieren. Und das klappt mit dem Vertikalangeln oft besser als mit jeder anderen Angeltechnik.

Arnulf Ehrchen

tippangeln

Tippangeln im Wasserwald

Viele werden vom Tippangeln noch nichts gehört haben, dabei ist das eine Angelmethode, die viel Spaß bereitet aber an den Angler besondere Anforderungen stellt. Hier ist fast indianisches Können gefragt. Denn das Tippangeln wird meist in Ufernähe ausgeübt und dabei dürfen die Fische den Angler nicht sehen. Die Montage und das Gerät sind ganz einfach: Eine lange Stipprute zwischen vier und sechs Metern, Schnur und ein Haken. Das wars. Wichtig wird es nun beim Köder. Hier kommen Brotflocken oder kleine Würmer ebenso in Betracht wie Insekten.

tippangeln Kleine Fliegen, die man Gewässerrand einfängt, Grashüpfer oder Kunstfliegen können hier verwendet werden. Beim Tippangeln sucht man sich die verkrauteten Gewässerstellen in Ufernähe. Bei Seerosenfeldern sollten immer wieder kleine Löcher zwischen den großen Schwimmblättern sein. Bei Unterwasserpflanzen findet man oft Lücken im Dickicht. Hier setzen wir unseren Köder ganz vorsichtig ein, tippen ihn auf die Wasseroberfläche und lassen ihn immer wieder einen Moment auf der Oberfläche ruhen. Durch die Bewegung im Krautloch werden die Fische auf den Köder aufmerksam. Langsam nähern sie sich dem Köder. Das ist vor allem deshalb eine sehr spannende Angelmethode, weil man die Fische manchmal aus nächster Nähe beobachten kann, wie sie sich dem Köder nähern, langsam an die Oberfläche kommen und den Köder nehmen. Wenn größere Fische in der Nähe sind, verraten sich diese oft dadurch, dass sie die Stängel der Seerosen berühren und die Blätter im Wasser wackeln. Die Fische sind es im Kraut gewohnt, Nahrung von der Oberfläche oder kurz darunter einzusammeln. Kleine Würmer, die an den Stängeln kleben oder auch Insekten, die ins Wasser gefallen sind, bilden hier die natürliche Nahrung. Wenn man einen kleinen Wurm ins Wasser taucht und die Schnur auf einem Seerosenblatt ablegt, so dass der Wurm nur kurz unter der Oberfläche taumelt, dauert es oft nicht lange bis ein Fisch den Köder nimmt. Da wir ohne Bissanzeiger angeln, müssen wir die abgelegte Schnur immer im Auge behalten. Sind in einem Gewässer kapitale Fische auch in den Krautfeldern und den Seerosen zu erwarten, sollten wir mit einer langen, beringten Rute angeln, um den Fisch drillen zu können. Allerdings muss ich aus eigener Erfahrung sagen, sind solche Drills im Seerosenfeld selten von Erfolg gekrönt, es sei denn man kann den Fisch schnell aus den Seerosen ins freie Wasser führen. Spannend ist das Tippangeln allemal und kann in stehenden wie auch in Fließge wässern praktiziert werden. Unsere Zielfische sind dabei Plötzen und Rotfedern, aber auch Schleien und Karpfen. Mitunter wurden bei dieser Angelmethode vor allem im Unterwasserkraut auch Aale mit einem leckeren Rotwurm gefangen und das am helllichten Tage. Denn nicht selten verstecken sich auch Aale in diesem Dickicht und wenn ihnen ein guter Happen vor das Maul fällt, schnappen auch diese gern mal zu. Das Tippangeln ist keine Methode, um kiloweise Fisch an einem Tag zu fangen. Es ist aber eine enorm entspannende Angelmethode bei der man kein sonderlich teures Gerät benötigt, dafür aber Fingerspitzengefühl beim Einsetzen des Köders und vor allem sich selbst sehr ruhig verhalten muss. Ich selbst habe diese Angelmethode auch vom Boot ausprobiert und muss sagen, dass es auch hier gut funktioniert hat. Allerdings darf man sich dann im Boot nicht bewegen und sollte nach Möglichkeit allein im Angelboot sein. Denn jede unnatürliche Bewegung wird von den Fischen sofort mit Flucht beantwortet. Wenn ein Gewässer in ihrer Nähe einen starken Krautbewuchs aufweist versuchen sie es einfach mal mit dem Tippangeln. Eine 30ger Hauptschnur und ein 20ger Vorfach sind dabei allerdings angebracht. Sicherlich kann das Vorfach feiner gewählt werden, denn oft ist das Wasser hier sehr klar. Allerdings laufen wir dann auch Gefahr einen besseren Fisch im Kraut zu verlieren und oftmals ist es ebenso, wenn ein guter Fisch verloren gegangen ist, ist die Angelstelle für die nächste Zeit wie tot und kein Fisch lässt sich hier mehr an der Oberfläche blicken. Dann ist ein Standortwechsel auf leisen Sohlen angesagt. Sträucher und Bäume geben uns bei dieser Angelmethode immer wieder Deckung und die sollten wir dankbar annehmen. Außerdem sollte man bei sonnigem Wetter auf den eigenen Schattenwurf achten. Denn oftmals verscheucht bereits der eigene Schatten die Fische, die im Oberflächenbereich im Kraut stehen.

Bilder: © Thomas Bein

fang

Naturkost für den großen Fang

Viele Köder, die wir Angler verwenden, imitieren die natürliche Nahrung der Fische. Noch besser fängt man aber, wenn man die natürliche Nahrung der Fische als Köder verwendet. Hier kommen Bachflohkrebse ebenso in Betracht wie Sprock, die Larve der Köcherfliege. Aber auch Grashüpfer, Maifliegen oder Zuckmückenlarven lassen sich dafür sehr gut verwenden. Die hier genannten Köder sind „Saisonköder“. Also natürlich Nahrung, die nur zu bestimmten Jahreszeiten von den Fischen gezielt aufgenommen wird. Bachflohkrebse findet man in fließenden Gewässern unter Steinen und an Pflanzen. Sie kommen dabei nicht nur in der Forellenregion von Bachläufen vor, sondern auch an Seen und Kanälen, sind hier aber für uns Angler schwieriger zu fangen.

fangMeine Erfahrung mit den Bachflohkrebsen ist allerdings die, dass die Krebschen in natürlichem Zustand von den Fischen nur mäßig angenommen werden. Erst als ich die kleinen Krebstiere gekocht hatte und sie sich wie ihre größeren Artverwandten rot färbten, waren sie als Köder unschlagbar. Dabei habe ich die Bachflohkrebse mit einem kleinen Kescher im Bach gesammelt und zu Hause in kochendes Wasser gegeben. Die Tiere sind sofort tot und verfärben sich. Das Kochwasser hebe ich auf, lasse es abkühlen und nehme es um Lockfutter anzumischen. Ins Futter gebe ich einige der Bachflohkrebse hinein. Nun benötigt man eine mittelschwere Montage und einen feindrähtigen Haken. Vorsichtig angeködert sind die kleinen Krebse für Plötzen, Rotfedern und Brassen ein absoluter Leckerbissen.

Köder der Saison sind unschlagbar

fangWährend die Bachflohkrebse das ganze Jahr über in unseren Gewässern vorkommen, findet sich Sprock nur im späten Frühjahr. Zu tausenden krabbeln dann die Larven der Köcherfliege am Gewässergrund in den Uferregionen. Auch in Bach- und Flussläufen findet man sie an Wasserpflanzen und an Grashalmen, die ins Wasser ragen. Die Larven bauen sich einen Kokon aus Steinchen und Pflanzenresten, der sie vor ihren Fressfeinden schützen soll. Zu denen gehören vor allem Plötzen, Bleie, Barsch und Rotfeder. Aber auch große Brassen konnte ich mit dem Sprock bereits überlisten. Man kann den Sprock mit der Hülle an den Haken fädeln. Mehr Bisse bringt es aber, wenn man die kleine Larve aus ihrem Schutzpanzer befreit und dann anködert. Sprock wird in einem kleinen Eimer mit Wasser gehältert oder in einer Schachtel, in die feuchte Tücher gelegt werden. Sprock sollte kühl gelagert werden und in den nächsten ein bis zwei Tagen verwendet werden, denn länger überleben die kleinen Larven ohne frisches Wasser nicht. Die Bisse kommen in der Regel aggressiv und energisch. Auch Schleien und Karpfen schlürfen sich die kleinen Larven gern ein. Obwohl man einen kleinen Haken fischt, sollte man deshalb immer auf einen großen Fisch gefasst sein und die Bremse richtig einstellen. Grundsätzlich gilt beim Angeln mit Naturködern: Je feiner die Montage und das Vorfach um so besser der Fang. Im späteren Verlauf des Jahres kommen auch Grashüpfer auf den Speiseplan unserer Fische. Vor allem an Kanälen und Flüssen die von Wiesen gesäumt sind, sind die Grashüpfer im Sommer und im Spätsommer gute Köder. Eine Forelle nimmt den Grashüpfer ebenso gern wie große Plötzen oder Döbel.

Vor dem Angeln fange ich einige der Grashüpfer mit einem kleinen Kescher und hältere sie in einem Glas mit einigen Löchern im Deckel. Es ist nicht ganz einfach die Hüpferlinge anzuködern. Aber mit etwas Geschick funktioniert es. An der Posenmontage gefischt, sollte eine kleine Bleikugel etwa zehn Zentimeter vor den Haken geschaltet werden, weil Grashüpfen sonst an der Oberfläche schwimmen. So ins Spiel gebracht kann im Fluss oder im Kanal kaum ein Fisch dem langsam treibenden Köder widerstehen. Oftmals fangen die Köder, die aus dem Lebensraum der Fische stammen deshalb deutlich besser, weil sie in das normale Beuteschema der Fische passen und sie von den Fischen immer wieder als natürliche und ungefährliche Nahrung aufgenommen werden. Vor allem an sonst vielleicht schwierigen Angeltagen sind die natürlichen Köder die Rettung.

Thomas Bein

Es lebe der tote Köderfisch

Unter diesem Motto zeigte mir vor vielen Jahren mein Angelkumpel Christopher, wie man einem totem Köderfisch, es war eine frisch gefangene Ukelei, im wahrsten Sinne des Wortes wieder Leben einhauchen kann. Dazu benötigt man einen langschenkligen Einzelhaken, den man mit der Öse auf Höhe der Rückenflosse einführt und aus dem Fischmaul wieder rausschiebt.

In die Öse hängt man ein Stahlvorfach, in dessen runden Wirbel bereits ein kleines Birnenblei eingehängt wurde und fertig ist die simple aber sehr erfolgreiche Köderfisch-Montage. Das Stahlvorfach sollte länger als beim Kunstköderangeln gewählt werden, die immer mal wieder in der Literatur auftauchenden 70 cm halte ich persönlich für übertrieben, selbst bei nur halb so langen Stahlvorfächern gab es bei mir noch nie Probleme! Als Hauptschnur nutze ich eine dünne rundgeflochtene Schnur mit relativ hoher Tragkraft. Die Spinnrute ist 2,70 m lang, hat eine relativ harte Spitze. Mein erster Versuch entlang einer Steinpackungskante von einem Kanal brachte auf 500 m sage und schreibe 12 Bisse, wo ich sonst immer, bewaffnet mit Spinnrute und Mepps- Spinner, deutlich weniger Erfolg hatte. Schnell hatte ich raus, wie der Köderfisch gefühlvoll gezupft werden musste und als ich tieferes Wasser erreichte, tauschte ich das kleine Birnenblei gegen ein größeres aus. So war der Grundkontakt stets gewahrt, mit die wichtigste Bedingung bei dieser Art des Köderfischangelns. Mit dem gefühlvollem Zupfen sind, nach dem Einwurf des Köderfisches an verheißungsvollen Stellen, ein- bis zweimalige Kurbelumdrehungen bei leicht erhobener Rutenspitze verbunden mit weiteren Absinkphasen gemeint. Hier kann man nahezu perfekt ein krankes Fischchen imitieren.

Seit diesem Aha-Erlebnis beschäftige ich mich mit dem toten Köderfisch und dessen Präsentation recht intensiv, konnte einige Petrijüngern vom Gegenteil überzeugen, die immer meinten, wie schön erfolgreich es doch noch zu alten Zeiten auf Hecht und Co. ging, als der lebende Köderfisch noch nicht verboten war. Am einfachsten klappt das Angeln mit dem toten Köderfisch sicherlich in einem Fließgewässer. Hier braucht man den Köderfisch, präsentiert an einer Posenmontage, mit einem langschenkligen 2er bis 1/0er Haken, der unterhalb des Rückflossenansatzes unseres Köderfisches eingestochen wird, nur an verheißungsvollen Stellen treiben lassen. Erfolgt ein Biss, beobachte ich die Schnur. Gerade runter gezogen, bleibt die Pose stehen, ist dies oftmals ein größerer Fisch. Sucht der Raubfisch Deckung, nimmt also mehrere Meter Schnur, ist es oftmals ein kleinerer Spezie der Angst um seine Beute hat. Spätestens, wenn die Schnur ein zweites Mal läuft, haue ich an. Der Raubfisch hat den Köderfisch beim ersten Stopp im Maul gewendet und geschluckt. Gerade beim Zander sehe ich immer wieder, dass Angler durch den Biss aufgeregt sofort anhauen, meistens erfolgt der Anhieb ins Leere und ungläubig wird gerätselt, was die Ursache dafür war. In einem stehendem Gewässer kann man bei Wind mit einer speziellen Raubfisch-Segelpose gehörig Strecke machen. So kann man zielgerichtet die verheißungsvollen Raubfisch-Standplätze absuchen. Mein Lieblings-Köderfisch ist die Plötze bei einer Länge zwischen 8 und 15 cm. Sogar einzeln eingefroren, z.B. in den Fingern eines Einweg- Handschuhs, bringen sie noch Erfolg. Inzwischen gibt es viele Montagen für eine den unterschiedlichen Gegebenheiten angepasste Köderfischangelei. Altbewährt und den meisten Anglern bekannt ist sicherlich das Drachkovic-System, relativ neu ist das Soft Lure Rig-System von Quantum, welches anstelle meines Birnenbleis ein Walkerblei aufweist aber auch das Fireball-System von Rozemaijar wird sich durchsetzen. Fireball-Jigköpfe sind Bleiköpfe speziell zum Twistern oder Vertikalangeln mit toten Köderfischen. Fireballs besitzen einen sehr kurzen weit gebogenen Haken und besitzen eine zweite Öse an der ein Vorfach mit Drilling (Stinger) befestigt wird. In aller Munde und in fast jeder Fachzeitschrift wird zur Zeit über das Drop-Shot-Angeln und das Texas-Rig sowie weitere moderne Rigs gesprochen und diskutiert. Mein Tipp: Nehmt statt Gummi mal einen toten Köderfisch. Er duftet, schmeckt und verliert Schuppen. Die Ködergröße sollte etwas kleiner ausfallen, so 4-8 cm, und der kleine Köderfisch sollte am kurzen Seitenarm (5 bis maximal 15 cm) angeboten werden. So kann dem toten Köderfisch mit etwas Übung tatsächlich Leben eingehaucht werden.

Ralf Behnke

Köderklassiker voller Leben

Nichtangler bezeichnen Angeln gerne mal als „Würmer baden“. Und dabei haben sie sogar oft recht. Denn für alle Friedfischangler, Aal- und Barsch-Fans sind die kleinen Schlängler unersetzlich. Auch wenn es auf Quappen oder Regenbogenforellen im Teich gehen soll, ist eine gut gefüllte Wurmdose ein wertvoller Begleiter. Im Gegensatz zu unbeweglichen Häppchen wie Teig oder Mais sind quicklebendige Köder immer in der Lage, auch satte Fische zuschnappen zu lassen. Auch wenn ihnen beim Daraufherumkauen der Appetit wieder vergehen sollte, reicht die Kauphase oft aus, um einen Anschlag zu setzen… Lebendköder gibt es viele, aber die wichtigsten von ihnen bilden das Trio Rotwurm, Tauwurm, Made. Alle drei sind in Angelgeschäften problemlos erhältlich.

Rotwurm

Die drei bis acht Zentimeter langen, rötlich braun gefärbten Würmer sind echte Allrounder. Und besonders aromareich! Neben Rotwürmern sind im Angelgeschäft auch sogenannte Dendrobaenas erhältlich. Außer ihrer deutlich größeren Länge gegenüber Rotwürmern besteht aber kaum ein großer Unterschied in der Anwendung. Rotwürmer lassen sich solo prima auf kleinere Fische wie Rotaugen ein-setzen, fangen als Bündel mit zwei bis drei Schlänglern prima Barsch wie Aal und sind auch perfekt als „Kebab“. Bei dieser Anköderungsvariante stecken wir nur Teile von Rotwürmern auf den Haken bis er gut gefüllt ist. Durch die vielen offenen Wurmenden verbreitet der Köder ein enormes Aroma. Da die Wurmteile aber auch schnell auslaugen, ist es sinnvoll, den Köder oft zu erneuern. Die Mühe lohnt sich aber! Zerschnittene Rotwürmer sind eine Top-Zutat fürs Brassen- und Schleienangeln. Auf ein Kilo Grundfutter (Trockengewicht) dürfen im Sommer gerne 20 zerschnittene Würmer kommen! Müssen wir die Würmer kaufen, geht das leider ganz schön ins Geld… Wer glücklicher Besitzer eines Komposthaufens ist, kann dort zum Teil große Mengen an Würmern ausgraben und so die Futterkosten deutlich senken. Alle Angler ohne Garten sparen viel Geld, wenn sie Rotwürmer in Großpackungen kaufen und mit ein paar Kollegen teilen. So lässt sich der Preis pro Wurm problemlos halbieren oder vierteln. Ein einzelner, großer Rotwurm kann übrigens Wunder wirken, wenn die Karpfen im Sommer träge umherziehen und alles andere links liegen lassen. Werfen Sie den Wurm an einer leichten Posenmontage so vor den Fisch, dass der sich windende Köder direkt vor ihm abwärts trudelt - und oft geht plötzlich doch das Maul auf…

Tauwurm

Der Riese unter den Würmern ist zwar nicht ganz so aromastark wie Rotwürmer, hat unter bestimmten Umständen aber doch die Nase vorn. Wo sich gierige kleine Silberlinge in Form von Mini-Plötzen und Nachwuchsbrassen über Ihren kleinen Rotwurm oder ein Madenbündel hermachen, bleibt ein großer Tauwurm nicht nur länger am Haken, sondern lockt auch oft gezielt einen größeren Fisch an. Nur Rotfedern lassen sich selbst von großen Tauwürmern im Sommer kaum abschrecken. Da hilft Aalanglern manchmal nur der Wechsel zu einem kleinen Köderfisch. Apropos Raubfische: Ein Bündel aus ein bis zwei Dutzend Tauwürmern ist ein völlig legaler Lebendköder für Welse jeder Größe. Fünf Tauwürmer als zusätzliche Hakengarnitur sind auch klasse, um etwas Bewegung zu bringen, wenn Sie Welsen einen toten Köderfisch anbieten. Tauwürmer sind teuer, aber zum Glück recht leicht selber zu sammeln. Perfekt geeignet sind dafür frisch gemähte, sattgrüne Rasenflächen. Vielleicht ja ein guter Grund, einmal den Rasen etwas früher zu mähen, wenn für die nächsten Tage Regen angekündigt ist… Wichtig bei der Wurmjagd: Tauwürmer sind lichtscheu. Sie kommen erst aus dem Boden, wenn es richtig dunkel ist. Um sie nicht nur gut entdecken zu können, sondern genug Zeit fürs Zupacken zu bekommen, sollten wir unsere Taschenlampe abdunkeln. Sonst sehen wir nur noch Wurmenden, die blitzschnell in ihrem Gang verschwinden. Ideal für die Wurmjagd sind Stirnlampen, am besten mit einem vorschaltbaren Rotfilter. Denn rotes Licht stört Würmer kaum. Neben wenig Licht sind vorsichtige Schritte wichtig: Wer hart auftritt wird kaum einen Tauwurm zu Gesicht bekommen. Schleichen Sie dagegen vorsichtig über den nassen Rasen, werden Sie im roten Schein Ihrer Kopflampe schnell den ersten Tauwurm entdecken, der fast komplett aus seinem Gang auf den Rasen gekrochen ist. Greifen Sie ihn schnell und bestimmt am Kopfende (im Zweifelsfall direkt am Eingang zu seinem Wohngang) und ziehen ihn dann langsam ganz aus der Erde. Die Burschen leisten dabei oft erstaunlichen Widerstand und es entwickelt sich ein richtiger kleiner Ringkampf auf dem Rasen. Mit Geduld gewinnen Sie ihn und besorgen sich ohne große Kosten in zwei Stunden einen ganzen Tauwurmvorrat. Ein Eimer mit Erde bietet den Würmern danach das perfekte Zuhause, gerade wenn Sie ihn mit angefeuchtetem Zeitungspaper abdecken. So lassen sich Tauwürmer über viele Wochen lagern - und einige Aale, Barsche und Schleien damit fangen.

Made

Um schnell Köderfische zu stippen, gibt es kaum etwas Besseres als die kleinen Krabbler. Für viele Friedfischangler sind Maden der Köder überhaupt. Neuerdings setzen selbst Karpfenangler wieder verstärkt auf Maden und befestigen sie sogar an Haarmontagen. In England völlig normal, bei uns noch echtes Neuland: der Einsatz toter Maden. Die bewegungslosen Tierchen kommen bei den Briten dann zum Einsatz, wenn die Bodenverhältnisse schwierig sind. Steht kurzes Kraut am Grund, ist der Boden mit gröberem Kies hgoder im Herbst mit abgestorbenem Laub bedeckt, krabbeln lebende Maden in jede erreichbare Lücke und verschwinden so schnell aus dem Blickfeld der Fische. Anders sieht’s mit toten Maden aus: Sie bleiben dort liegen, wo sie zum Grund gesunken sind. Für die Fische sind sie eine völlig natürliche Nahrung, schließlich sterben viele von Anglern verwendete Maden bevor sie von Brassen, Schleien oder Rotaugen gefunden werden. Wie töten wir Maden? Zwei Wege beenden das Leben der Krabbler zuverlässig: einfrieren oder überbrühen. Wer erst am nächsten Tag an den See möchte, gibt einfach die gewünschte Menge Maden (ohne Sägemehl) in einen gut verschlossenen Gefrierbeutel und steckt diesen ins Gefrierfach. Zum Auftauen kommen die Maden in etwas Wasser, sonst werden sie dunkel und fallen dann unter Wasser weniger stark auf. Muss es schnell gehen, übergießen Sie die Maden einfach in einem hitzefesten Gefäß mit kochendem Wasser und gießen dieses ab sobald die Maden keine Bewegung mehr zeigen. Früher waren rot gefärbte Maden ein Top-Köder. Heute ist der Farbstoff verboten und Maden kommen nur noch in ihrem typischen, milchig-weißen Kleid daher. Wer trotzdem Farbe ins Spiel bringen möchte, findet im Fachhandel aber eine klasse Alternative: bunte Plastikmaden. Einfach eine rote Kunstmade zusammen mit zwei echten weißen auf den Haken spießen und schon fällt Ihr Köder auch zwischen vielen Maden am Grund auf. Hat der künstliche Krabbler Auftrieb, gleicht sie sogar das Gewicht des Hakens aus und erleichtert so das Einsaugen durch den Fisch. Da bemerkt auch eine vorsichtige Schleie den Schwindel erst, wenn die abtauchende Pose Sie schon lange hat anschlagen lassen…

Arnulf Ehrchen