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Konfliktfeld Kormoran

Immer mehr Kormorane in Finnland

2013

Der Kormoranbestand in Finnland ist in den letzten beiden Jahren kräftig angewachsen. Das geht aus aktuell veröffentlichten Zahlen des Finnischen Umwelt Instituts SYKE hervor.

Foto: © Silvio Heidler

Demnach wurden im Sommer 2012 rund 17.700 Kormorannester gezählt. Das waren über 3.000 mehr als im Jahr 2010. Kormorane (auf Finnisch Merimetso = Meeresauerhahn) leben an der finnischen Südküste, sowohl am Bottnischen Meerbusen als auch im Gebiet um die Schären im Finnischen Meerbusen in Kolonien. Die größte Kormorankolonie mit ca. 2.300 Nestern wurde bei Rauma festgestellt. Insgesamt gesehen hat sich das Wachstum des Kormoranbestands in Finnland allerdings verlangsamt. In den Jahren 2003 bis 2007 hatte sich der Bestand jährlich fast verdoppelt. Früher war der Kormoran in Finnland ein äußerst seltener Vogel. 1996 wurden gerade einmal 10 Brutpaare gezählt.


Nachhaltige Bestandsregulierung des Kormorans gefordert

November 2012

Berlin: (hib/HAU) Der Petitionsausschuss spricht sich mehrheitlich für eine nachhaltige Bestandregulierung des Kormorans aus, um die heimische Fischfauna zu schützen. Mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen beschloss der Ausschuss in seiner Sitzung am Mittwochmorgen, eine dahingehende Petition der Bundesregierung mit dem höchstmöglichem Votum „zur Berücksichtigung“ zu überweisen sowie den Länderparlamenten und dem EU-Parlament zuzuleiten.

Die SPD-Fraktion sprach sich in der Sitzung für ein geringeres Votum aus. Sie forderte, die Petition dem Bundesumweltministerium „als Material“ zu überweisen, „soweit es um ökologisch sinnvolles Kormoran-Management geht“. Keinen Bedarf an einer Bestandregulierung des Kormorans konnte hingegen die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ausmachen, die für den Abschluss des Petitionsverfahren plädierte.

In der Petition wird auf den „überdurchschnittlichen Anstieg des Kormoran-Bestandes“ hingewiesen, der insbesondere den Bestand an bedrohten Fischarten gefährde sowie mittel- und langfristig zugleich auch die Existenz fischereiwirtschaftlicher Betriebe bedrohe. Die in der Petition geforderte „Bejagung“ der Kormorane ist aus Sicht des Petenten überdies durch das „erstrebenswerte Ziel“ einer ausgeglichenen Gewässerökologie zu rechtfertigen.

Wie aus der Begründung zur Beschlussempfehlung des Ausschusses hervorgeht, teilt die Mehrheit der Abgeordneten die Einschätzung des Petenten, dass „die jetzigen Kormoran-Bestände einen beträchtlichen Schaden verursachen, indem sie insbesondere den Erhalt vom Aussterben bedrohter europäischer Süßwasserfische gefährden“. Es seien daher „koordinierte Maßnahmen“ unerlässlich, bei denen durch eine nachhaltige Bestandregulierung des Kormorans die heimische Fischfauna geschützt werden könne.

Vor dem Hintergrund, dass der Kormoran keine gefährdete Vogelart darstelle, jedoch den Fortbestand vieler Süßwasserfische gefährde, begrüßt der Petitionsausschuss, dass auch auf europäischer Ebene ein wissenschaftlich fundiertes, mehrstufiges Kormoran-Management angestrebt werde, heißt es weiter. Als Begründung für die Zuleitung der Petition an die Länderparlamente verweist der Ausschuss darauf, dass „die Länder für Maßnahmen zum Schutz des Fischbestandes durch Zulassung geeigneter Vergrämungsmaßnahmen in Natur- und Vogelschutzgebieten zuständig sind“.

Kormoran und Fische, Naturschutz und Fischerei

2012

Hinter der Kormoranrage stehen ernste, fundamentale Fragen darüber, wie wir in Zukunft mit der Natur und natürlichen Ressourcen umgehen. Der Kormoran ist ein besonders auffälliges Beispiel, wie sich eine ursprünglich bedrohte Tierart infolge von Schutz und Förderung so stark vermehrt, dass sie unübersehbare Schäden anrichtet und flächendeckend zur Plage wird.

Fallstudien an unterschiedlichsten Gewässern in Europa zeigen den starken Rückgang des Fischbestandes. Alles zusammen lässt keine Zweifel am Einfluss des Kormorans offen. Die Kapitel „Was in Europas Brutgebieten getan werden sollte!“ und „Was auf EU-Ebene, in Brüssel geschehen sollte“ liefern hier auf wissenschaftlichen Studien basierende Argumente und zeigen die vernünftigste Lösung auf: Bestandsmanagement.

Diese Dokumentation beleuchtet auf 168 Seiten umfassend und verständlich das jahrzehntelange Problem aus der Sicht des Fischschutzes. Das Werk wendet sich vor allem an Personen, die der Fischerei und dem Fischschutz nahe stehen, sollte aber auch für Leser aus dem Kreis der Politik, der Medien und des Natur- und Vogelschutzes die Problematik so differenziert und objektiv darstellen, dass sie sich selbst ein ausgewogenes Urteil bilden können.

Das Buch ist das Ergebnis der jahrelangen, von Dr. Franz Kohl geleisteten Arbeit als Wissenschaftler und Vorsitzender der „Task Force Cormorants“ der European Angler Alliance.

Die Studie ist erhältlich beim Österreichischen Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz, Sonja Behr: office@oekf.at oder Tel. 0043 1 869 53 00. Preis: € 14,50 zuzüglich Versandkosten.

EU im Zugzwang – EU-Projekt „CorMan“

2012

Nach der Resolution des EU-Parlaments 2008 für einen gesamteuropäischen Kormoran- Management-Plan zeigte sich die EU-Kommission an einer Umsetzung nicht interessiert. Im Endeffekt musste sie aber handeln, und so blieb ihr nichts anderes übrig als zumindest eine EUArbeitsgruppe mit dem hoffnungsvollen Titel „Sustainable Management of Cormorant Populations“ ins Leben zu rufen. Objektiv gesehen ist schon der Name eine Sensation und wurde auch gleich zu Beginn von den Vogelschützern massiv bekämpft.

Die Europäische Anglerallianz ist in dieser Arbeitsgruppe im Stakeholder-Forum präsent und wird von Dr. Franz Kohl (ÖKF) vertreten. Die Aufgaben und Ziele sind: EU-weite Website mit Daten und Fakten mit der Möglichkeit zur Diskussion Europaweite Kormoranzählungen der Brutplätze.

Die Zählungen der Brutplätze sind für die kommende Saison vorgesehen, die Website ist bereits online auf http://ec.europa.eu/environment/nature/cormorants/home_en.htm

Erstmals wird die Kormoranproblematik in der EU so ernst genommen, dass ihr eine offizielle Website gewidmet wird. Der jetzige Inhalt stellt aber nur einen ersten Schritt dar, der im Moment nur recht allgemeine Punkte behandelt.

Schauen Sie sich die Website an! Wenn etwas aus Sicht der Angelfischerei nicht akzeptabel ist oder wichtige Inhalte fehlen, so bitten wir Sie um Ihre Rückmeldung (an: office@oekf.at) wir werden uns der Sache annehmen.

Mit dem im Deutschen Bundestag mit großer Mehrheit angenommenen Antrag auf ein europäisches Kormoranmanagement zeigt sich am weiten Horizont nun ein Lichtstreif, der hoffentlich über ganz Europa übergreift. Frankreich ersuchte ebenfalls die EU-Kommission angesichts der hohen Kormoranschäden einen Bewirtschaftungsplan vorzulegen (Rat der EU-3103. Tagung des Rates Umwelt).

Sonja Behr

© Dieter Schütz - pixelio.de

Neue Aspekte zum europäischen Kormoran-Management

November 2009

Die negativen Auswirkungen des übermäßigen Bestandes von Kormoranen (Phalacrocorax carbo) in Europa, in Deutschland und in Thüringen sowie die möglichen Gegenmaßnahmen wurden bereits wiederholt dargestellt.


Wie jahrelange Erfahrungen und wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, verursachen die Fisch fressenden Vögel vor allem folgende Schäden in Aquakulturbetrieben sowie in den Fischbeständen zahlreicher Wildfischarten in den Binnengewässern und an den Meeresküsten:

  • Fischfraß der verschiedenen Fischarten unabhängig von ihren Mindestmaßen, Schonzeiten; Laichzeiten und ihrem Schutzstatus
  • Vernichtung wertvoller Satz- und Speisefische in Teichen und Anlagen der Aquakultur
  • Nahrungskonkurrenz gegenüber Raubfischen durch Vernichtung wichtiger Beutefische in den Gewässern
  • Dezimierung vieler Fischarten bereits vor dem Erreichen ihrer Laichreife
  • Belastungen und Energieverluste der Fische durch starke Scheuchwirkungen
  • Verletzungen der Fische mit umfangreichen Spätfolgen und Sekundärinfektionen
  • Übertragung von Fischkrankheiten in andere Gewässer
  • Verringerung der genetischen Vielfalt der Fische in den Gewässern
  • Schäden an der Vegetation in bestimmten Kormoranbrutgebieten
Kormoran: © Dieter Schütz - pixelio.de

Angesichts der verheerenden Auswirkungen wurde auf Initiative des deutschen Abgeordneten Dr. Heinz Kindermann eine Entschließung „Über die Erstellung eines Europäischen Kormoran-Managements zur Reduzierung der zunehmenden Schäden durch Kormorane für Fischbestände, Fischerei und Aquakultur“ erarbeitet, die vom Europäischen Parlament am 4. Dezember 2008 mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde (2008/2177 INI). Darin wird deutlich gemacht, dass die Bestände des Kormorans im Gebiet der Europäischen Union schnell angewachsen sind. Ihre Gesamtpopulation hat sich in den letzten 25 Jahren verzwanzigfacht und liegt heute bei einer Mindestschätzung von 1,7 bis 1,8 Millionen Vögeln. Dadurch kommt es in vielen Mitgliedsstaaten zu nachweisbaren und nachhaltigen Schäden. Es wird betont, dass die Umsetzung eines ökosystemorientierten Ansatzes zur Bewirtschaftung der Meeres-, Küsten- und Binnengewässer einer ausgewogenen Politik bedarf, die einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Zielen des Vogelschutzes und der Erhaltung einer vielfältigen Vogel und Fischfauna sowie den Interessen von Fischern und Teichwirten an der wirtschaftlichen Nutzung der Fischbestände sichern kann. Die Verordnung (EG) Nr. 1100/2007 des Rates mit Maßnahmen zur Wiederauffüllung des Bestandes des Europäischen Aals wird als ein Beispiel für eine solche ausgewogene Politik angeführt.

Die Gefahren der überproportionalen Zunahme von Schäden werden umso größer, je mehr sich die Zahl der Kormorane der Tragfähigkeitsgrenze großflächiger Gewässer nähert. Außerdem wird die Wirksamkeit lokaler Abwehrmaßnahmen stark eingeschränkt, weil die Kormorane als Zugvögel weite Wanderungen unternehmen. Obwohl die Mitgliedsstaaten Möglichkeiten zur Begrenzung der durch Kormorane verursachten Schäden haben, kann ein nachhaltiges Management der Bestände nur durch ein koordiniertes Vorgehen in der Europäischen Union gesichert werden, wie das die am 4. Dezember 2008 vom Plenum des Europäischen Parlaments angenommene Entschließung mit 13 wichtigen Forderungen verdeutlicht. Mit der Forderung 7 wird die Europäische Kommission eindeutig zum Handeln aufgefordert: „Das Europäische Parlament fordert die Kommission auf, einen mehrstufigen europäischen Bestandsmanagementplan für Kormorane vorzulegen, der die Kormoranbestände langfristig in die Kulturlandschaft integriert, ohne die Ziele von Vogelschutzrichtlinie und Natura 2000 im Bereich der Fischarten und Gewässerökosysteme zu gefährden.“

Ein von Kormoran angehakter Karpfen

Am 29. Januar 2009 fand eine Beratung von Vertretern aus den EU-Mitgliedsländern statt, die sich mit den Ergebnissen einer zuvor durchgeführten Telefonumfrage zur Kormoransituation in Europa befasste. Im Ergebnis der Beratung wird die Meinung vertreten, dass aufgrund der unterschiedlichen Konfliktsituationen mit Kormoranen in den verschiedenen Regionen eine Koordinierung nationaler Maßnahmen wirksamer wäre als die Schaffung eines EU-weiten Managementplanes.

In einer weiteren Beratung am 31. März 2009 in Brüssel berieten 50 Teilnehmer aus den Bereichen des Natur- und Vogelschutzes sowie der Fischerei der Mitgliedsstaaten u.a. folgende Fragen: Wie werden Bestandseingriffe vorgenommen, was ist gute Praxis, und wie kann sie verbessert werden? Wie können die Mitgliedsstaaten Managementpläne durchführen, und wie kann das gefördert werden? Die Europäische Angler Allianz (EAA) legte dazu ein umfangreiches Positionspapier über Methoden zum Monitoring der Kormoranpopulation vor. Darin wird die Notwendigkeit betont, ein geeignetes Modell für die Bestandsabschätzung zu entwickeln, weil die Kormoranpopulation weit größer als die Zahl der Brutvögel ist. Von anderer Seite wurde darauf hingewiesen, dass Schäden durch Kormorane nur in einigen Ländern auftreten und die Europäische Union die Aktionen der betroffenen Mitgliedsstaaten fördern will. Letztlich wird nachdrücklich darauf hingewiesen, dass Fische nicht schutzlos bleiben dürfen und hohe Kormoranzahlen z.B. starken Fraßdruck auf den Aal ausüben. Als brauchbare Maßnahmen für das Kormoranmanagement werden z.B. dargestellt:

  • Störung einer großen Zahl von Brutkolonienin ganz Europa während der Brutsaison in den kommenden 10 Jahren, wodurch der Bruterfolg entscheidend reduziert wird.
  • Gleichzeitig können Abschüsse oder Verscheuchen der Vögel in der Nähe von Gewässern, in denen der Aal zu schützen ist, unterstützend wirken.

Im Gesamtergebnis der Beratung wird deutlich, dass die EU-Kommission derzeit offensichtlich nicht gewillt ist, die Forderungen, die vom Europäischen Parlament in Übereinstimmung mit den wissenschaftlichen Empfehlungen der European Inland Fisheries Advisory Commission gestellt wurden, zu erfüllen. Dem Demokratieverständnis wird mit dieser Haltung der EU-Kommission kein guter Dienst erwiesen.

Die bisher erfolglose Umsetzung der Forderungen des Europäischen Parlaments wird inzwischen von einer regelrechten Kampfansage gegen die Fischerei durch den Naturschutzbund Deutschland (NABU) und den Landesverbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) übertroffen, die den Kormoran am 9. Oktober 2009 zum Vogel des Jahres 2010 wählten. Abgeordnete des EU-Parlaments und des Deutschen Bundestages sowie die Fischereiverbände haben gegen diese Kür des Kormorans zum Vogel des Jahres 2010 deutlich Stellung bezogen. Sie betrachten die Wahl als pauschalisierend, ungenau, unzutreffend und damit schlichtweg falsch. Sie ist eine Provokation, die Zweifel an der Kompetenz des NABU und LVB aufkommen lässt.

Der Kormoran befindet sich in Deutschland und Europa in einem hervorragenden Erhaltungsstatus der spezielle Schutzmaßnahmen nicht rechtfertigt. Durch seine starke Vermehrung und Ausbreitung in Regionen, die er vorher nicht besiedelte, ist er zu einer Tierart geworden, die nachhaltige Schäden in der Kulturlandschaft und insbesondere an den Fischpopulationen verursacht. Darüber hinaus kommt es zu erheblichen soziokulturellen und wirtschaftlichen Verlusten für die Fischerei und damit für die menschliche Gesellschaft.

Angesichts der vorliegenden wissenschaftlichen Fakten ergibt sich die Notwendigkeit für wirksame regulierende Maßnahmen in Form eines europaweiten Kormoran-Managements, das die Interessen aller Seiten berücksichtigt. Dieses Ziel muss auf allen Bereichen weiter verfolgt werden. Bis es der Fischerei mit Unterstützung der Politik gelingt, die dringend notwendige europäische Lösung des Kormoranproblems umzusetzen, bestehen in den EU-Mitgliedsländern nur die beschränkten nationalen Möglichkeiten. Gem. einem Diskussionspapier der Europäischen Kommission vom 5. August 2009 zum Entwurf eines Leitfadens über Ausnahmemöglichkeiten nach Artikel 9 der europäischen Vogelschutzrichtlinie, sollte dort wo es gerechtfertigt ist und keine anderen Lösungen existieren, von diesen Ausnahmeregelungen voller Gebrauch gemacht werden.

kormoran

Anglerschaft verärgert: Kormoran ist „Skandalvogel des Jahres 2010“

9. Oktober 2009

Am Freitag, den 9. Oktober 2009, wurde der Kormoran von Naturschutzorganisationen in Deutschland (NABU/LBV) und später auch in Österreich (BirdLife) zum Vogel des Jahres 2010 gewählt. Diese Entscheidung stößt in der Anglerschaft auf pures Unverständnis. Bislang wurde mit dem „Vogel des Jahres“ auf schützenswerte Arten aufmerksam gemacht, die durch ihre Ernennung in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt wurden. Beim Kormoran ist das gänzlich anders.

Mit der Wahl eines reinen Fischfressers, dessen Population in Europa mangels natürlicher Feinde bereits die 2-Millionen-Grenze überschritten hat, stellen sich NABU, LBF und BirdLife gegen die gesamte Fischerei in Deutschland und Österreich. Deshalb, und aus verschiedenen weiteren Gründen, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich bei der Ernennung des Kormorans zum „Vogel des Jahres 2010“ um eine gewollte Provokation handelt.

Der Verband Deutscher Sportfischer und der Deutsche Anglerverband haben kurz Bekanntgabe eine gemeinsame Erklärung abgegeben, in der sie deutliche Worte finden.

Heftige Reaktionen bei der Fischereiverbänden auf NABU-Nominierung für "Vogel des Jahres 2010"

Der Kormoran wird Vogel des Jahres 2010 – besser kann man nicht dokumentieren, dass NABU und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) sich außerhalb jeglicher Vernunft und insbesondere außerhalb demokratischer Normen bewegen. Am 4. Dezember 2008 haben mehr als 96 % aller Abgeordneten des Europäischen Parlamentes aus allen 27 Mitgliedsstaaten dafür gestimmt, wegen der extremen Populationszunahme des Kormorans in den letzten 20 Jahren ein europäisches Kormoranmanagement zu prüfen. Diese MdEP sind ausgestattet mit dem demokratischen Votum der Bewohner von 27 Mitgliedsstaaten: für NABU und LBV gilt das nicht, es ist für sie uninteressant, was die demokratisch gewählten Volksvertreter beschließen. Sie sind in den Augen von NABU-Funktionären anscheinend zu dumm, den wahren Sachverhalt zu begreifen, nur NABU und LBV allein haben den Durchblick.

In den einzelnen Bundesländern konnten im jahrelangen Kampf gegen eben solche Fundamentalisten und Negierer von Wahrheiten wie NABU und LBV Verordnungen zum Schutz der Fischbestände in den Teichanlagen, wo die Betreiber durch Kormoranfraß an den Rand des Ruins getrieben worden sind, Einhalt geboten werden. In den Bächen, Flüssen und Seen konnten Arten, die durch den Kormoran zum Beispiel in den bayerischen Gebirgsflüssen zu 96 % (Äsche) ausgerottet worden sind, mit viel Mühe und großem finanziellem Aufwand wieder etwas besser geschützt werden.

All diese Verordnungen wurden durch gewählte Volksvertreter und in der Umsetzung durch die jeweils regierenden Parteien in den entsprechenden Ministerien nach jahrelangem Nachweis der realen Schäden beschlossen.

Für NABU und LBV noch lange kein Grund demokratisch gefasste Beschlüsse und Regelungen anzuerkennen.

Vielmehr werden erneut völlig unverfroren Unwahrheiten sowohl zum Kormoran als auch zu den Schäden und insbesondere zum Fraßverhalten dieser zweifelsfrei in unsere Vogelwelt gehörende Spezies veröffentlicht. Er gehört in unsere Tierwelt, er hat eine Existenzberechtigung, aber er hat eben so wenig wie jede andere Art das Recht, andere Arten auszurotten, nur weil er Federn hat.

NABU und LBV schrecken selbst vor so großen Lügen nicht zurück, dass „Edelfische“ wie Äschen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge nur geringere Anteile in der Nahrung ausmachen und deshalb kein Schaden eintreten könne. Die TU München hat den aus dem Kormoranfraß resultierenden Schaden bei Äschen mit 96 % sicher wissenschaftlich bestimmt.

Es interessiert sie auch nicht, dass mehr als 90 % aller typischen Fließgewässerfischarten auf der Roten Liste stehen und es ficht solche Kreise auch nicht an, wenn durch derartige Aktionen, wie sie nunmehr durch NABU und LBV initiiert werden, die Ausrottung noch viel schneller geht. Aber sie nennen sich Naturschützer.

Dabei betreiben sie vielmehr ein sehr abscheuliches Spiel, indem sie … „wirtschaftlich unbedeutende „Weißfische“ wie Rotaugen, Brachsen und andere Kleinfische … zur radikalen Dezimierung durch den Kormoran frei geben; schließlich ist es ja kein so bedeutendes Leben wie bei einem „Edelfisch“.

Das Benennen des Kormorans zum Vogel des Jahres 2010 ist ein Schlag in das Gesicht aller Demokraten und wirklichen Naturschützer. Es ist der hoffentlich letzte Versuch, das Rad der Entwicklung zurückzudrehen.

„Wir als die wirklichen Schützer der Natur werden auch in Zukunft viel Geld in die Hand nehmen und viel Zeit opfern, um die Artenvielfalt in den Gewässern, wie schon in den letzten 20 Jahren praktiziert, hoch zu halten, wir werden auch Arten, die keinerlei wirtschaftliche Bedeutung haben, wieder heimisch machen und wir werden insbesondere die Politiker und die politischen Parteien bitten, dieser Negation der Demokratie Einhalt zu gebieten, damit Recht, Ordnung und Sachverstand auch bei NABU und LBV wieder eine Heimstatt finden“ fassen die Präsidenten des VDSF und des DAV Peter Mohnert und Prof. Dr. Werner Steffens die große Verärgerung der Angler und Berufsfischer in Worte.

Offenbach und Berlin, den 9.10.2009

Gefährdung der heimischen Fischfauna in Thüringen

Aus gegebenem Anlass veröffentlichen wir im Nachgang für unsere Vereine die neue Thüringer Kormoranverordnung vom 9. Dezember 2008.

Bereits 1998 gab es in Thüringen zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden sowie zum Schutz der heimischen Tierwelt Regelungen zur Eindämmung der Kormoranpopulation. Doch diese waren mit der Zunahme der Kormorane und einer weiteren Ausweisung von Schutzgebieten in Thüringen nicht mehr praktikabel. Die Probleme bzw. Schäden, welche der zu hohe Kormoranbestand in der Fischwirtschaft, vor allem in den Fischbeständen der natürlichen Gewässer, verursacht, nahmen extrem zu.

Es ist unbestritten, dass das Kormoranproblem nur gesamteuropäisch gelöst werden kann. Doch mit einem europäischer Kormoranmanagementplan bzw. praktischen Maßnahmen zu einer Europaweit koordinierten Regulierung des Kormoranbestandes ist in naher Zukunft nicht zu rechnen. Die Verantwortung zum Schutz unserer heimischen Tierwelt und dazu gehören auch unsere heimischen Fischarten liegt immer noch auf nationaler Ebene. Dieser Verantwortung versucht die von den Thüringer Anglerverbänden und der Fischwirtschaft unterstützte neue Thüringer Kormoranverordnung gerecht zu werden.

Um die Schäden durch den Kormoran zu minimieren, erlaubt die neue Kormoranverordnung Maßnahmen zur Verhinderung von Brutkolonien wie das Stören des Nestbaus oder das Herunterstoßen von Nestern. Eine weitere wichtige Neuerung ist die Möglichkeit, auch in der Zeit vom 1. April bis zum 15. August den Kormoran zu vergrämen bzw. zu töten. Diese Regelung wird zukünftig noch wichtiger, da wir feststellen müssen, dass immer mehr Kormorane auch in den Sommermonaten in Thüringen bleiben und die Zuwanderung der großen Schwärme im Herbst immer früher einsetzt.

Die entsprechende Erlaubnis zum Kormoranabschuss innerhalb der Schonzeit ist bei der unteren Naturschutzbehörde zu beantragen. Sie kann den Antrag nur dann ablehnen, wenn begründete öffentliche Belange, insbesondere solche des Naturschutzes, einschließlich des Arten- und Tierschutzes, diesem entgegenstehen. Eine Ablehnung der Anträge dürfte in den seltensten Fällen begründet sein, da zum Artenschutz unbedingt der Schutz unserer heimischen Fischfauna gehört.

Laut Verordnung sind aktuell der Vergrämungsabschuss und damit eine Regulierung des Kormoranbestandes im Freistaat Thüringen ganzjährig in einem Gebiet von 250 Metern um das fischereiwirtschaftlich genutzte Gewässer (auch in Fließgewässern, Talsperren, Speicher und Kiesseen) möglich. Diese neue Regelung gilt auch in Schutzgebieten und ist eine wichtige Maßnahme zur Unterstützung des Fischartenschutzes.

Leider mussten wir dieses Jahr mehrfach feststellen, dass zuständige Genehmigungsbehörden versuchen, mit überhöhten, nicht nachvollziehbaren Bearbeitungsgebühren, den Antragsteller finanziell abzuschrecken oder mit unverhältnismäßig langen Bearbeitungszeiten der Anträge, die für den Artenschutz so wichtigen neuen Regelungen in der Thüringer Kormoranverordnung zu umgehen. Dies ist nicht akzeptabel und zeigt, dass trotz langsamer Annäherung der Positionen Vogelund Fischartenschutz in Thüringen immer noch nicht den gleichen Stellenwert haben.

Darum werden wir dieses Thema und die möglichen Schritte in der ersten Beratung der Interessengemeinschaft Thüringer Fischerei Anfang November gemeinsam mit den anderen Anglerverbänden und den Berufsfischern besprechen. Unser Verband erwartet außerdem eine klare Positionierung und Vorgabe unseres Fachministeriums an die nach geordneten Behörden zur Umsetzung der Kormoranverordnung.

Die zum jetzigen Zeitpunkt schon sehr zahlreich an unseren Gewässern jagenden Kormorane, weißen eindeutig darauf hin, dass wir in diesem Herbst und Winter wiederum mit dramatischen Schäden in unseren heimischen Fischbeständen rechnen müssen. In dieser Situation ist verantwortungsvolles Handeln von allen Beteiligten gefragt.

André Pleikies, Geschäftsführer